PFERDEPRAXIS REINFELD

Dr. Katharina Ehlers     

Mai 2024

Der Beginn der Weidesaison - Warum das Hufreherisiko für dicke Pferde jetzt steigt

Der Beginn der Weidesaison ist eigentlich das Highlight des Jahres für viele Pferde und Ponys und ihre Besitzerinnen. Doch das Überangebot an Kalorien, die unkontrollierte Futteraufnahme und das meist zuckerreiche, frische Gras steigert für übergewichtige und leichtfuttrige Pferde und Ponys das Risiko an Hufrehe zu erkranken. Warum ist das so? Dieser Beitrag gibt einen Überblick über das Krankheitsbild der Hufrehe und die Stoffwechselerkrankung EMS (Equines Metabolisches Syndrom) im Zusammenhang mit der Weidezeit.



Was ist Hufrehe?

Als Hufrehe wird eine schmerzhafte Entzündung des Huftrageapparats bezeichnet. Dauert diese Entzündung länger als 48 Stunden, kann sich die Verbindung der Hornlamellen mit der Huflederhaut lockern und der Huftrageapparat instabil werden. Infolge dessen verändert sich die Lage des Hufbeins und es kommt zu einer Absenkung und/oder Rotation des Hufbeins in Richtung Hufsohle und im schlimmsten Fall zu einem Durchbruch des Hufbeins durch die Sohle (Hufbeindurchbruch) oder zu einer Ablösung der Hornkapsel am Kronrand (Ausschuhen). Da Pferde von Natur aus den größeren Teil ihres Körpergewichts auf der Vorhand tragen, erkranken die Vorderbeine meistens zuerst oder schwerer als die Hinterbeine. Hufrehe ist mit Abstand die schwerwiegendste Folgeerkrankung vom Equinen Metabolischen Syndrom und der häufigste Grund für chronische Lahmheit, Unreitbarkeit und Euthanasie bei EMS-Patienten.

Akute Hufrehe mit Durchbruch der Sohle (grüne Pfeile)

 

Röntgenbild des selben Patienten: Die starke Schädigung des Huftrageapparats mit Ablösungserscheinungen im Bereich der weißen Linie (gelber Pfeil), Rotation des Hufbeins um 11° (blauer Pfeil) sowie gleichzeitige Hufbeinabsenkung - erkennbar am deutlich vergrößerten Abstand (32 statt normal max. 22mm) von Hornkapsel und Hufbein unterhalb des Kronrands (grüner Pfeil) und der Durchbruch der Hufbeinspitze durch die Sohle (roter Pfeil) sind gut zu sehen.

Wie erkenne ich eine Hufrehe?

Typisch für eine Hufrehe sind eine Entlastungshaltung beider Vorderhufe (im schlimmsten Fall eine auf die Hinterhand gelehnte Sägebockhaltung) und Lahmheit, oft schon im Schritt. Dabei ist die Lahmheit meistens auf hartem Boden und in engen Wendungen am stärksten sichtbar. Da typischerweise beide Vorderhufe erkrankt sind, treten manche Pferde von einem Bein aufs andere (weight shifting), im Versuch beide Hufe abwechselnd zu entlasten. Oft liegen die Pferde auch vermehrt. Aufgrund der Entzündung im Bereich des Hufs, ist bei einer akuten Hufrehe eine verstärkte Pulsation der Zehenarterien fühlbar. Zudem können Einblutungen in der Hufsohle im Bereich des Hufbeins oder in der weißen Linie auftreten. Bei einer chronischen und möglicherweise bisher subklinischen und somit unerkannten Hufrehe kommt es zu Veränderungen der Hufform und Hornqualität mit divergierenden Hornringen (Reheringen), Narbenhorn, verbreiterter weißer Linie und Schnabelschuhbildung bis hin zum Knollhuf.

Rehehuf mit verbreiterer weißer Linie mit älteren Einblutungen, die jetzt als Spalten erscheinen, im Bereich der Zehe (rote Pfeile)


Hochgradig chronisch veränderter Rehehuf mit Schnabelbildung (grüner Pfeil) und divergierenden Hornringen (rote Pfeile)

Ein akuter Hufreheschub ist immer ein Notfall, in dem umgehend ein Tierarzt kontaktiert werden sollte, damit schwere Folgen durch eine frühzeitige Behandlung reduziert oder vermieden werden können!


Wie diagnostiziert die Tierärztin eine Hufrehe?

Das Gesamtbild des Patienten mit Ernährungszustand, Vorerkrankungen wie EMS oder Cushing (PPID), die klinische Symptomatik sowie eine Lahmheitsuntersuchung mit Abtasten der Hufsohle mittels Hufzange, vor allem im Bereich des Hufbeins, geben meistens starke Hinweise, ob eine Hufrehe vorliegt oder nicht. Darüberhinaus kann mittels Röntgen eine Hufbeinabsenkung und/oder -rotation und eine eventuelle Hufbeindeformation festgestellt und somit eine Hufrehe diagnostiziert werden. Das Fehlen von röntgenologisch sichtbaren Veränderungen schließt eine Hufrehe jedoch nicht aus, insbesondere, wenn der Patient im frühen Stadium der Erkrankung vorgestellt wird oder es gelungen ist, durch frühzeitige, richtige Therapie einen schweren Verlauf und damit einhergehende Veränderungen im Bereich des Hufbeins zu verhindern.

Wie wird eine Hufrehe behandelt?

Die entzündliche Lockerung des Huftrageapparats kann zu einer Rotation und/oder Absenkung des Hufbeins führen. Um dies möglichst zu verhindern, ist es entscheidend, dass das Pferd in der akuten Phase der Hufrehe so viel Ruhe wie möglich hält, um die mechanische Belastung des erkrankten Huftrageapparats so weit wie möglich zu reduzieren. Das Pferd erhält also Boxenruhe bzw. ein maximal boxengroßes Paddock mit weichem Untergrund oder dicker Einstreu. 

Zur Linderung der Schmerzen und der Entzündung wird das Pferd je nach Bedarf mit Medikamenten versorgt. Hierbei ist es wichtig, dass nur so wenig schmerzlindernde Medikamente wie irgend möglich gegeben werden, damit das Pferd einerseits zurecht kommt und möglichst wenig leidet, sich andererseits aber auch wirklich schont, möglichst viel liegt und nicht aufgrund der durch die Medikamente "maskierten", weniger spürbaren Schmerzen zu viel bewegt. Es ist durch Studien bewiesen, dass sich die Gabe von zu viel oder zu starken "Schmerzmitteln" negativ auf die Prognose der Heilung einer Hufrehe auswirkt. 

Um den Huftrageapparat mechanisch zu entlasten, werden die weniger betroffene Teile des Hufs (Trachten und Strahl) zum Tragen des Pferdegewichts herangezogen. Dies wird durch eine Plateau-artige, individuell angepasste Polsterung - entweder mit einem Kunststoffpolster oder mittels eines Rehegipses - des hinteren Hufabschnitts erreicht. So werden die stärker erkrankten Anteile des Hufs im Bereich der Zehe schwebend entlastet, die Scherkräfte im Huftrageapparat durch Entlastung der Hufwand vermindert und der Zug der tiefen Beugesehne am Hufbein reduziert.

Durch ein individuell angepasstes Kunststoffpolster werden Trachten und Strahl zum Tragen herangezogen und so die Zehe entlastet. Mit einer Klebebandage ist das Polster schnell angebracht, sodass das an Hufrehe erkrankte Pony während der Prozedur nicht lange auf drei Beinen stehen muss und danach sofort weniger Schmerzen durch die mechanische Entlastung hat.
Pony mit Rehegipsen: Durch die leichte, aber stabile Befestigung der Polster mittels Cast hält der Gips mehrere Wochen und bietet eine langfristige Entlastung der erkrankten Strukturen.




Der Huf wird in Zusammenarbeit mit einem Hufschmied anhand der angefertigten Röntgenbilder so bearbeitet, dass eine möglicherweise vorhandene Hufbeinrotation ausgeglichen wird und die Hufmechanik sich wieder normalisiert. Insbesondere bei chronischen Hufreheverläufen ist eine kontinuierliche, engmaschige Hufkorrektur, in einigen Fällen auch mit einem Spezialbeschlag für die Stabilisierung des Patienten unverzichtbar.

Röntgenbild eines Rehehufs vor der Bearbeitung, hier noch mit Unterstützung der Plateau-artigen Polsterung im Trachtenbereich
Röntgenbild nach der Bearbeitung des gleichen Hufs: Hufwand und Hufbein sind wieder parallel zueinander.
Rehehuf mit beginnender Schnabelbildung der Zehe vor der Hufbearbeitung
Huf während der Bearbeitung (eine Hälfte bereits bearbeitet)
Huf nach der erfolgten Korrektur
Geklebter Rehebeschlag mit Trachenpolster und offener Zehe - so werden die weniger erkrankten Hufbereiche zum Tragen herangezogen und die stärker erkrankten Bereiche bekommen die Chance, sich zu erholen.
Geklebter Rehebeschlag: Die Hufform wurde zuvor durch den Schmied korrigiert. Durch die geklebte Befestigung entsteht kein punktueller Zug auf die Hufwand sondern die Last wird auf eine große Fläche verteilt.






Welche Ursachen gibt es für eine Hufrehe?

Über 80 Prozent der Hufrehefälle werden durch eine oder mehrere endokrinologische Störungen, also Grunderkrankungen des Hormonsystems des Pferdes, ausgelöst. Andere Ursachen wie eine mechanische Überlastung z.B. bei hochgradigen Lahmheiten aufgrund von Frakturen oder schweren Sehnenverletzungen auf der gegenüberliegenden Gliedmaße, Vergiftungen mit Eicheln oder Robinie, Blutvergiftung infolge einer schweren Darmentzündung oder Nachgeburtsverhaltung bei der Stute oder massive Überfütterung mit Kraftfutter, sind selten und meist anhand der Vorgeschichte leicht zu identifizieren. Somit sollte bei jedem Hufrehepatienten je nach Alter, Erscheinungsbild und Futterzustand zunächst ein Equines Metabolisches Syndrom (EMS) und/oder Cushing-Syndrom (auch PPID genannt) abgeklärt werden, damit die auslösende Grunderkrankung behandelt und somit der Hufreheverlauf schneller gestoppt werden kann.

Equines Cushing Syndrom: Langes, lockiges Fell, ein mühsamer Fellwechsel und eine Veränderung des Erscheinungsbildes mit Hängebauch und Senkrücken sind leicht zu erkennende, aber auch oft recht spät auftretende Anzeichen dafür, dass ein Pferd am Equinen Cushing-Syndrom (auch bezeichnet als Pituitary Pars Intermedia Dysfunktion = PPID) leidet. Auch wiederkehrende infektiöse Erkrankungen durch eine geschwächte Immunabwehr (z.B. Entzündungen der Augenhornhaut, Kieferhöhlenentzündungen, Hautpilz oder Hufabszesse), schlechte Wundheilung und übermäßiges Schwitzen können Anzeichen für das Cushing-Syndrom sein. Im Frühstadium der Erkrankung können Verhaltensänderungen, Muskelabbau und Leistungsminderung die einzigen Symptome sein. 50 bis 80 Prozent der Pferde mit Cushing-Syndrom erkranken früher oder später an Hufrehe. Studien zeigen, dass etwa 20 Prozent der Pferde im Alter von über 15 Jahren an PPID erkrankt sind, aber auch jüngere Pferde können betroffen sein. Damit ist das Cushing-Syndrom die häufigste hormonell bedingte Erkrankung bei Pferden. Auch wenn es sich um eine chronisch fortschreitende und aktuell nicht heilbare Krankheit handelt, kann das Cushing-Syndrom mit Medikamenten sehr erfolgreich behandelt werden. Die Abklärung erfolgt mittels Blutuntersuchung, wobei bei erkrankten Pferden das ACTH (AdrenoCorticoTropes-Hormon) erhöht ist.

Equines Metabolisches Syndrom: EMS ist nach dem Cushing-Syndrom die zweithäufigste Hormonstörung bei Ponys und Pferden. Es handelt sich hierbei um eine chronische Erkrankung, die mit gestörtem Zucker- und Insulinstoffwechsel und Übergewicht einhergeht. Meist fallen diese Pferde durch abnorme Fettpolster an Mähnenkamm ("Cresty Neck"), Schulter, Schweifansatz und Hinterhand auf. Bleibt ein EMS unerkannt oder unbehandelt, führt es häufig zu Hufrehe. Insbesondere bei zusätzlicher Überversorgung mit Zucker und leicht verdaulichen Kohlenhydraten (z.B. durch frisches Weidegras, Obst oder Kraftfutter) führt die gestörte Insulinregulation durch hohe Insulinspiegel im Blut zu einer Schädigung des Huftrageapparats und somit zu einer hormonell bedingten Hufrehe. Bei EMS handelt es sich um eine durch Überfütterung, Bewegungsmangel und genetische Prädisposition ausgelöste "Zivilisationskrankheit" des Pferdes. Sie ist in etwa vergleichbar mit Typ-2-Diabetes des Menschen. Das vorhandene Übergewicht bei EMS-Patienten ist dabei nicht nur Auslöser der Insulinstoffwechselstörung und damit der Hufrehe sondern durch die Mehrbelastung durch die überschüssigen Kilos des Huftrageapparats auch ein negativer prognostischer Faktor für die Hufrehe an sich.

Wie kann EMS festgestellt werden?

Übergewicht, typische Fettpolster und Hufrehe sind deutliche Hinweise für das Vorliegen eines EMS. Insbesondere der "Cresty Neck Score", bei dem die Fettpolster im Bereich des Mähnenkamms beurteilt werden, korreliert eng mit dem Vorliegen einer Insulindysregulation. Laboruntersuchungen von Blutzucker und Insulin sowie gegebenenfalls weiterführende Tests können die Diagnose absichern. Da EMS und Cushing häufig parallel auftreten, sollte insbesondere bei älteren Pferden oder dem Vorliegen weiterer Cushing-typischer Symptome immer ein Cushing-Syndrom als Differentialdiagnose mit in Betracht gezogen und evtl. getestet werden.

New Forest-Pony mit EMS und starkem Übergewicht: Die typischen Fettpolster an Mähnenkamm, Schulter, Lende und Kruppe sind deutlich erkennbar.
Fettpolster am Mähnenkamm: Hier ein "Cresty Neck Score" Grad 4 von 5



Wie wird EMS behandelt?

Es gibt für Pferde noch kein Medikament zur ursächlichen Behandlung von EMS, jedoch kann ein gutes, konsequentes Fütterungs- und Bewegungsmanagement helfen, die Pferde symptomfrei und fit zu bekommen bzw. zu erhalten. 

Zunächst ist es wichtig, dass die Pferde ihr Übergewicht verlieren. Hierzu ist eine konsequente Reduktionsdiät unerlässlich, durch die die Pferde nicht nur Gewicht verlieren sondern sich auch der Insulin- und Zuckerstoffwechsel wieder normalisiert. Hierbei wird dem Pony oder Pferd eine rationierte Menge Heu in möglichst vielen kleinen Portionen zur Verfügung gestellt, sodass möglichst keine zu langen Fresspausen entstehen. Dabei sollte die Menge von 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht (Zielgewicht!) pro 24 Stunden nicht überschritten werden, da die Pferde sonst nicht oder nur sehr langsam abnehmen. Kraftfutter jeglicher Art, Möhren, Äpfel usw. werden vom Fütterungsplan gestrichen. Bis die Pferde ihr Normalgewicht erreicht haben, ist auch von Weidegang abzuraten, da die aufgenommene Futtermenge hier nicht reguliert werden kann und insbesondere frisches Weidegras im Frühjahr viele ungesunde leicht verdauliche Kohlenhydrate enthält. 

Der Zuckergehalt des Grundfutters (egal ob Heu, Heulage oder Gras) sollte so niedrig wie möglich sein und hängt vor allem von den enthaltenen Grassorten und vom Schnittzeitpunkt ab. Eine Futteranalyse kann hier wertvolle Hinweise liefern, um die Ration gut zu planen. Wer die Möglichkeit hat, die Grassorten auf seinen Futterflächen zu beeinflussen, sollte für einen hohen Anteil an Liesch- und Knaulgras sorgen. Das häufig anzutreffende Deutsche Weidelgras ist für Pferde, insbesondere wenn sie Stoffwechselprobleme haben, ungeeignet, da es einen zu hohen Zuckergehalt hat. Um die Gewichtsreduktion zu unterstützen und die Normalisierung des Insulinstoffwechsels zu beschleunigen sollte begleitend zur Diät Nutraxin gefüttert werden. Dieses Ergänzungsfutter in Riegelform enthält einerseits alle für das Pferd  wichtigen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Aminösäuren, sodass es nicht zu Mangelerscheinungen kommt und verbessert andererseits durch kurzkettige, präbiotisch wirksame Fructo-Oligosaccaride (scFOS) nachweislich die Insulinsensitivität.

Sofern es die Hufgesundheit des Patienten zulässt, sollte ein intensives Bewegungsprogramm in den Tagesablauf integriert werden, um den Abnehmerfolg zu unterstützen und den Stoffwechsel zu normalisieren. Es ist wichtig, dass Pferde mit Gewichtsproblemen langfristig eine Aufgabe haben und ausreichen bewegt werden, damit sie nicht immer wieder in gefährliche Stoffwechsellagen und dadurch neue Reheschübe abrutschen.


Zeigt Ihr Pony oder Pferd Symptome eines Equinen Metabolischen Syndroms oder Cushing-Syndroms, sollten Sie sich vor allem zu Beginn der Weidezeit Gedanken um das Management zur Verhinderung einer Hufrehe machen. Bei Fragen zu Ihrem Pony oder Pferd oder allgemeinen Fragen zum Thema, kontaktieren Sie uns gern telefonisch oder per Whatsapp.


April 2024

Neue Impfempfehlungen der StIKo-Vet und Stellungnahme zu Impfkomplikationen beim Pferd

Die Ständige Impfkomission Veterinärmedizin (StIKo-Vet) hat die Leitlinien zur Impfung von Pferden überarbeitet und zusätzlich eine Stellungnahme zu Impfkomplikationen beim Pferd abgegeben. Hierbei wird zwischen Impfreaktionen und Impfkomplikationen unterschieden. Impfreaktionen können hierbei als Begleiterscheinungen der Immunantwort angesehen werden. Diese können mit Schwellung und Druckempfindlichkeit an der Injektionsstelle sowie Abgeschlagenheit und leichter Erhöhung der Körpertemperatur einhergehen. Impfkomplikationen hingegen gehen über das Maß der Impfreaktion hinaus. Impfkomplikationen treten selten auf und können von behandlungsbedürftigen lokalen Reaktionen und Abszessen bis hin zu extrem seltenen generalisierten anaphylaktischen Reaktionen reichen. Das Paul-Ehrlich-Institut gibt jährlich einen Report über die gemeldeten Impfkomplikationen bei Tieren heraus. Im Jahr 2022 wurden in Deutschland 155 Fälle bei Pferden gemeldet, wobei die meisten Reaktionen nach Impfungen gegen EHV (Equines Herpesvirus) berichtet wurden. Lediglich in 3 Fällen gab es tödliche Komplikationen aufgrund einer anaphylaktischen Reaktion, was in Anbetracht von mindestens 30.000 Impfungen allein bei Turnierpferden (plus die nicht zahlenmäßig erfassten Impfungen bei anderen Pferden) eine sehr geringe Zahl ist.

Ein gutes Management der Wiederholungsimpfungen und die ausschließliche Impfung klinisch gesunder Pferde - und deshalb Impfung nur nach klinischer Allgemeinuntersuchung durch die Tierärztin - können Impfkomplikationen vorbeugen. Hat ein Pferd mit Komplikationen auf eine Impfung reagiert, kann auch ein Wechsel des Impfstoffs für die nächste Impfung in manchen Fällen erneuten Komplikationen vorbeugen. Entzündungshemmende Medikamente können die Immunantwort nachteilig beeinflussen und sollten allenfalls zur Behandlung von Impfkomplikationen oder nach gründlicher Abwägung der Vor- und Nachteile bei Pferden, die zu Komplikationen neigen, eingesetzt werden. 

Im Falle der Tetanusimpfung kann durch eine Messung der Antikörper im Blut der Antikörpertiter bestimmt werden und bei ausreichendem Schutz der Abstand zwischen den Impfungen verlängert werden. Ein ausreichender Schutz der Pferde gegen das Tetanustoxin ist aufgrund der hohen Empfänglichkeit der Pferde für diese sehr schwere und oft tödlich verlaufende Erkrankung unerlässlich. Sorgen Pferdebesitzer nicht für einen ausreichenden Tetanusschutz ihrer Tiere, handeln sie tierschutzwidrig.

Wir beraten Sie gern, welche Impfungen für Ihr Pferd empfehlenswert sind, denn dabei kommt es immer auch auf die individuellen Lebensumstände des Pferdes und das damit verbundene Risiko für die unterschiedlichen Infektionen an. Laut der StIKo-Vet gelten die Impfungen gegen Tetanus, Influenza und Herpes als Core-Impfungen, die für die allermeisten Pferde empfehlenswert sind. Daran hat sich auch durch die jüngste Abschaffung der Herpes-Impfpflicht für Turnierpferde zum 15.4.2024, die seit dem 1.1.2023 galt, nichts geändert. Zusätzlich wird in Gebieten, in denen schon Infektionen mit dem West-Nil-Virus vorgekommen sind (wozu seit 2023 auch Schleswig-Holstein gehört), auch dagegen eine Impfung empfohlen. Nähere Informationen dazu finden Sie auch hier.


März 2024

West-Nil-Virus bei Pferden jetzt auch in Schleswig-Holstein - Update und Spendenaktion "Impfen für Equiwent"

Nachdem sich das West-Nil-Virus in den letzten Jahren in Deutschland etabliert und nach Norden ausgebreitet hat, wurde im vergangenen Jahr erstmals eine Infektion bei einem Pferd in Schleswig-Holstein nachgewiesen. Auch bei Vögeln, die die Hauptwirte für das Virus sind, wurde das Virus erneut gefunden. Eine Karte des Friedrich-Löffler-Instituts zeigt die Nachweise bei Vögeln und Pferden und damit das Verbreitungsgebiets des West-Nil-Virus in Deutschland im letzten Jahr.

Wer sein Pferd vor schweren Krankheitsverläufen mit neurologischen Symptomen bis hin zum Tod schützen möchte, sollte vor Beginn der Mückensaison für einen belastbaren Impfschutz mit einer vollständigen Grundimmunisierung bzw. der rechtzeitigen jährlichen Auffrischungsimpfung sorgen. Nähere Informationen zum West-Nil-Virus und zur Impfung habe ich hier zum Nachlesen zusammengestellt.

Wie bereits im letzten Jahr möchte ich die Impfungen gegen das West-Nil-Virus in unserer Praxis mit einer Spendenaktion für die Equiwent Hilfsorganisation verbinden. Für jede Impfung gegen das West-Nil-Virus spenden wir als Pferdepraxis Reinfeld 5 Euro an Equiwent, denn gerade in schweren Zeiten wie jetzt, ist es uns ein Anliegen, Tiere und Menschen in Not zu unterstützen. Auf den Preis der Impfung für Sie als Tierhalter hat die Spendenaktion keinen Einfluss.
Equiwent steht als internationale Hilfsorganisation für Menschen und Tiere in Not für nachhaltige Entwicklungshilfe, Völkerverständigung und ganzheitlichen Tierschutz in Kombination mit humanitärer Hilfe. Eine Gemeinschaft aus Tierärzten, Hufschmieden, Tierpflegern und studierten Sozialarbeitern arbeitet Hand in Hand, um Tieren und ihren Menschen auf Augenhöhe zu helfen und begleitet sie mit geballter Sachkunde auf dem Weg in ein langfristig lebenswerteres Leben. Mir als Pferdetierärztin liegt dabei natürlich die Pferdehilfe für Arbeitspferde im bitterarmen Ostrumänien, die seit mittlerweile 8 Jahren durch die erste kostenlose Pferdeklinik in Europa ergänzt wird, am Herzen. Durch die geographische Nähe zur Ukraine hat Equiwent im vergangenen Jahr seine Hilfe schnell und kompetent auf die Ukraine ausgeweitet und unterstützt z.B. die Esel- und Pferdehilfe Kiew. Aber auch in vielen anderen Regionen der Welt ist Equiwent mit unideologischen, zupackenden Projekten für Tiere und Menschen aktiv - ohne Tiervermittlungen nach Deutschland, dafür mit wirksamer Armutsbekämpfung und Verbesserung der Lebensgrundlagen vor Ort - denn hinter (fast) jedem Tierschutzfall steckt eine menschliche Tragödie. Wenn wir mit dieser Spendenaktion einen kleinen Teil zur Finanzierung dieser bewundernswerten Arbeit beitragen und etwas Aufmerksamkeit für eine so sinnvolle Organisation gewinnen können, freut uns das von Herzen.



Terminwünsche für Impfungen gegen das West-Nil-Virus, gern auch Sammeltermine für mehrere Pferde - das spart euch Fahrtkosten und uns Zeit - sendet uns gern per Whatsapp oder ruft uns einfach an.



Equines Asthma - Wenn Pferde immer wieder husten - mit Podcast

Wussten Sie, dass die Atemfrequenz eines erwachsenen und gesunden Pferdes in Ruhe 8 bis 20 Atemzüge pro Minute beträgt, dass die Lungenbläschen eines Pferdes ausgebreitet ein Fußballfeld bedecken könnten und dass ein gesundes Pferd nicht regelmäßig "anstößt" oder "abhustet"?

Was sind die Ursachen für Husten bei Pferden?
Husten kann viele verschiedene Ursachen haben, oft spielen mehrere Auslöser eine Rolle. Infektionen der Atemwege mit Bakterien oder Viren sind natürlich möglich, aber nicht so häufig, wie von vielen Pferdehaltern angenommen wird. Die meisten Pferde, die mit Husten beim Tierarzt vorgestellt werden, reagieren allerdings auf Staub aus Futter und Einstreu, ein mangelhaftes Stallklima mit hoher Luftfeuchtigkeit und Schadgasen wie Ammoniak, Pilzsporen oder allergisch auf Pollen.

Wie erkenne ich, ob mein Pferd „nur“ einen Infekt hat?
Akute infektiöse Erkrankungen der oberen und mittleren Atemwege werden in den allermeisten Fällen durch Viren, seltener durch Bakterien wie z.B. Streptokokken, verursacht und gehen oft mit geschwollenen Lymphknoten, Nasenausfluss, reduziertem Allgemeinbefinden, verringerter Futteraufnahme, Husten und häufig auch Fieber einher. Bakteriell oder viral (z.B. durch Influenza) bedingte Lungenentzündungen sind schwere Allgemeinerkrankungen, die von Fieber und massiven Krankheitssymptomen begleitet werden.

Was ist Equines Asthma und was sind typische Symptome?
Equines Asthma beschreibt eine chronische, nicht infektiöse, multifaktoriell bedingte Erkrankung der mittleren und tiefen Atemwege. Typische Symptome sind chronischer oder wiederkehrender Husten, Leistungsminderung, eine erhöhte Atemfrequenz in Ruhe, eine erschwerte Atmung, zum Teil mit geblähten Nüstern und/oder Bauchatmung, rasche Ermüdung unter Belastung mit verlängerter Erholungsdauer und teilweise Nasenausfluss. Die Pferde sind fieberfrei und außer in akuten Atemnotanfällen in der Regel bei ungestörtem Allgemeinbefinden. Die Bandbreite der Symptome ist also sehr groß von milden Fällen mit gelegentlichem Husten und etwas vermehrtem Nasenausfluss bis hin zu schweren Verläufen mit unstillbarem Husten und starker Atemnot.
In der Lunge mit den Bronchien und Lungenbläschen des Pferdes entwickelt sich, oft schleichend über einen längeren Zeitraum, eine nicht-infektiös bedingte Entzündung, diese wird meist von Schleimhautschwellung und Schleimbildung begleitet. Im schlimmsten Fall kommt es zum Krampf der Bronchialmuskulatur, was zu einer krankhafte Verengung der Atemwege und damit zu Atemnot führen kann.

Mein Pferd zeigt typische Symptome und ich möchte wissen, ob es an Equinem Asthma erkrankt ist - Wie erfolgt die Diagnostik?
Die Grundlage auf dem Weg zur Diagnose bildet die allgemeine klinische tierärztliche Untersuchung. Dabei nimmt die gründliche Aufnahme des Vorberichts zu Haltungsform, Einstreu, Fütterung, Art und Dauer der Symptome, Zusammenhang von Symptomen und Veränderungen im Management, Erfolg oder Misserfolg bereits vorangegangener Behandlungen und ggf. den Ergebnissen vorheriger Diagnostik einen wichtigen Platz ein und liefert sehr wertvolle Informationen. Die allgemeine Untersuchung des Pferdes und die spezielle klinische Untersuchung des Atmungsapparats schließen sich an. In vielen Fällen führen wir außerdem eine Untersuchung des Pferdes bei und nach Belastung (z.B. an der Longe oder unter dem Reiter) durch, insbesondere wenn die Symptome nur relativ geringgradig ausgeprägt sind oder nur unter Belastung auftreten.
Um den Schweregrad der Erkrankung genauer einzuschätzen, Hinweise auf die Ursachen (und damit möglichst deren Bekämpfung) zu gewinnen und um die einzelnen Komponenten der Therapie optimal planen zu können oder aber auch zur Stellung der Diagnose in klinisch nur geringgradigen oder uneindeutigen Fällen, kommt weiterführende Diagnostik zum Einsatz. An erster Stelle steht dabei die Endoskopie der Atemwege bis in den Bereich der Bronchien (Bronchoskopie/Lungenspiegelung). Mit diesem Blick in die Atemwege können wertvolle Informationen über Schleimhautschwellung, Art und Menge des vorhandenen Schleims und zum Teil über das Vorhandensein eines Bronchienkrampfs gewonnen werden. Darüberhinaus können quasi "nebenbei" andere Atemwegsprobleme wie Kehlkopfpfeifen oder Lungenbluten als Ursachen für Atemgeräusche oder Leistungsminderungen ausgeschlossen werden. Während der Bronchoskopie entnehmen wir außerdem Proben vom Tracheobronchialsekret, die im Labor mikroskopisch untersucht werden und damit weitere Informationen zum Grad und Charakter der zellulären Entzündungsreaktion, Zustand der tiefen Atemwege, Funktion der Selbstreinigungsmechanismen der Atemwege (Clearance) und Belastung mit Pilzen, Bakterien und Pollen liefern. All das kann von uns im Heimatstall unter Sedierung durchgeführt werden.
Eine arterielle Blutgasanalyse kann Informationen zum Gasaustausch in der Lunge und damit zur Kapazität der Sauerstoffaufnahme und Leistungsfähigkeit liefern.
In unklaren Fällen ist die Durchführung einer BAL (BronchoAlveolären Lavage) zur noch genaueren Abklärung der Situation in den tiefen Atemwegen hilfreich. Aufgrund des höheren Infektions- und Komplikationsrisikos für das Pferd bei dieser Art der Probenentnahme, überweisen wir unsere Patienten hierfür gegebenenfalls in eine Klinik, wo die hygienischen Bedingungen besser als im Stall sind und die Patienten nach der Untersuchung noch für 24 Stunden engmaschig überwacht werden können.

Bei einer Bronchoskopie werden die Atemwege gründlich beurteilt und Tracheobronchialsekret entnommen, das im Labor untersucht wird, um Schweregrad und Ursachen der Lungenerkrankung genau zu charakterisieren und die einzelnen Komponenten der Therapie aufeinander abzustimmen.


Mein Pferd hat Equines Asthma -  was nun?
Ist ein Pferd an Equinem Asthma erkrankt, wird es das (zum jetzigen Stand der medizinischen Forschung) sein Leben lang sein. Ist jetzt also alles hoffnungslos? Die Antwort ist eindeutig: Nein, auf keinen Fall! Auch wenn wir Equines Asthma nicht heilen können, haben wir als Team aus Pferdebesitzer und Tierarzt viele Möglichkeiten in der Hand, um dem Pferd zu helfen. Unser Ziel ist dabei ein symptomfreies und damit fittes und belastbares Pferd zu erreichen. Dabei spielt das Management eine ganz entscheidende Rolle. Die Behandlung besteht dabei aus drei Säulen.
Das A und O und somit die erste Säule der Asthmatherapie ist die Fütterungs- und Haltungsoptimierung. In 80 Prozent der Fälle ist Staub aus dem Rauhfutter der Hauptauslöser für Equines Asthma. Jede Art von Rauhfutter - selbst bei sehr guter Qualität - staubt. Bei schlechter Qualität ist die Staubentwicklung um ein Vielfaches höher, weshalb einwandfreie Rauhfutterqualität unumgänglich. Trockenes Heu ist für Pferde, die an Equinem Asthma erkrankt sind, ohne Ausnahme ein Tabu. Das Heu sollte mindestens gründlich gewässert werden, wobei bedampftes Heu noch wesentlich bessere Erfolge liefert. Falls (zunächst) gewässertes Heu gefüttert werden soll, ist es wichtig, es nicht nur oberflächlich zu begießen sondern es komplett zu "waschen". Dies kann z.B. in Heunetzen oder Körben in größeren Kunststoffbehältern erfolgen. Dabei sollte das Heu für ca. 10 Minuten (möglichst nicht viel länger zur Schonung der Nährstoffe) eingeweicht und dann abgetropft sofort verfüttert werden. Liegt das nasse Heu vor dem Füttern längern, kann es im Winter einfrieren (und wird dann nicht gefressen) oder bei wärmeren Temperaturen durch Bakterien gären und verderben, was wiederum zu Koliken führen kann. Korrekt bedampftes Heu ist nicht nur staubfrei sondern durch die Erhitzung auf über 80 Grad auch nahezu frei von Baktieren und Pilzen, die die Atemwege reizen können. Darüberhinaus verdirbt es nicht so leicht und kann in Säcken (zum Schutz vor erneutem Einstauben) für 24 bis 48 Stunden gelagert werden. Nach unserer Erfahrung erleichtert dies das Fütterungsmanagement im Alltag sehr, weil „auf Vorrat“ bedampft werden kann. In sehr milden Fällen kann versucht werden, ob das Pferd auch mit Heulage statt Heu zurecht kommt. Diese staubt aufgrund des höheren Wassergehalts weniger als Heu. Neben der Fütterungsoptimierung sollten Einstreu und das Entmistungsmanagement hinterfragt werden. Eine möglichst staubarme Einstreu (Späne, Holzpellets, Strohpellets, Leinstroh o.ä.) ist zu empfehlen. Regelmäßiges, am besten tägliches Misten reduziert die Ammoniakbelastung, wobei grundsätzlich darauf zu achten ist, dass während des Mistens, Einstreuens  und Fegens wegen der Aufwirbelung von Staub und Ammoniak keine Pferde im Stall sein sollten. Je besser die Luftzirkulation ist, desto besser ist die Luftqualität im Stall, also: Fenster und Türen auf! Optimal für an Equinem Asthma erkrankte Pferde ist eine Unterbringung auf der Weide oder im Offenstall, wobei auch hier die staubarme Fütterung durchführbar sein muss, was manchmal in Gruppenhaltungen schwierig sein kann.
Die zweite Säule der Asthmatherapie bildet die Behandlung mit Glukokortikoiden, also Cortison und seinen Verwandten, um die Entzündung der Atemwege zu kontrollieren. Dafür stehen uns verschiedene Möglichkeiten der systemischen Behandlung mittels Injektionen für den akuten Asthmaanfall oder Tabletten für die Behandlung über einen längeren Zeitraum, aber auch lokalen Therapien per Inhalation zur Verfügung. Systemische Behandlungen sind aufgrund der Verabreichung mit dem Futter einfach durchzuführen und wirken auch bei starker Verschleimung oder Bronchienkrampf. In der Regel werden sie gut vertragen, aber durch die Wirkung im gesamten Pferd, können je nach Höhe der Dosis und Dauer der Anwendung Nebenwirkungen auftreten. Gerade wenn Pferde zusätzlich an EMS oder Cushing (PPID) erkrankt sind, ist ein systematisches Kortison nicht das Mittel der 1. Wahl.
Alternativ können verschiedene Glukokortikoide per Inhalation verabreicht werden. Hierbei wirkt das Kortison hauptsächlich bis ausschließlich in der Lunge und nicht im gesamten Pferd, wodurch wenig bis keine Nebenwirkungen zu erwarten sind. Welche Methode gewählt wird ist vom Einzelfall abhängig und wird auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse und der Bedingungen für jeden Patienten individuell gemeinsam mit dem Besitzer entschieden.
Die dritte Säule der Asthmabehandlung stellt die symptomatische Behandlung der aufgrund der Entzündung entstehenden Folgeerscheinungen wie Verschleimung und Bronchienkrampf dar, um dem Pferd schnell seine Lebensqualität zurückzugeben und die Erholung zu erleichtern.
Je nachdem, welche Symptome im Vordergrund stehen, werden bei Bedarf schleimlösende und/oder bronchienerweiternde Medikamente verabreicht. Dies geschieht meistens über orale Präparate mit dem Futter, in manchen Fällen kann jedoch auch eine inhalative Verabreichung sinnvoll sein. Zusätzlich kann insbesondere bei starker Verschleimung eine Inhalation mit Kochsalzlösungen mittels Ultraschallverneblungsgerät unterstützend wirken.

Was kann ich vorbeugend tun?
Die artgerechte staubarme Haltung und Nutzung des Pferdes steht hierbei im Vordergrund. Viel Bewegung, frische Luft, gute Luftzirkulation im Stall, optimales Haltungsmanagement und sehr gute Rauhfutterqualität sind die wichtigsten Faktoren, um Pferde lange lungengesund zu erhalten. Denn wir müssen uns immer wieder bewusst machen: Pferde sind dafür geboren, sich an der frischen Luft mit gesenktem Kopf fressend durch die Steppe zu bewegen. Wenn wir von ihnen erwarten, dass sie in stickigen kleinen Kisten bei staubigem Heu und zu wenig Bewegung für die Selbstreinigungskräfte der Atemwege gesund bleiben, dann ist es nicht der Fehler unserer Pferde, wenn sie diesem Anspruch nicht gerecht werden. Es liegt an uns, sie so zu halten, dass sie eine Chance haben, fit zu bleiben.

Staub, zu wenig Frischluft, zu viel Ammoniak und verdorbenes Rauhfutter machen Pferde krank und können zu Equinem Asthma führen.


Sie haben noch Fragen zum Thema Husten und Equinem Asthma? Dann hören Sie doch mal in den Podcast der Gesellschaft für Pferdemedizin dazu hinein oder kontaktieren Sie uns telefonisch oder per WhatsApp.


September 2023

Erste Hilfe für Pferde: Kurse mit Theorie und praktischen Übungen

Erste Hilfe kann Leben retten, das gilt für Pferde genauso wie beim Menschen. In meinem Praxisalltag erlebe ich immer wieder, dass selbst erfahrene Pferdebesitzer in Notfallsituationen sehr unsicher sind, was zu tun ist. Diese Unsicherheit muss nicht sein, denn Erste Hilfe kann man lernen. Genauso wie man den richtigen Umgang mit dem Pferd lernen muss und Reitunterricht bei erfahrenen Trainern nimmt, sollte man auch Grundkenntnisse in Erster Hilfe für Pferde vom Profi lernen, bevor man im Zweifelsfall auf sich allein gestellt ist.

Mein Ziel ist es, Theorie und Praxis so miteinander zu verknüpfen, dass Sie sich nach dem Kurs gewappnet fühlen Erste Hilfe zu leisten. Hierbei werden nicht nur Notfallverbände oder das richtige Einschätzen von Patienten geübt sondern auch vermeidbare Gefahrensituationen und die richtige Unterstützung des Tierarztes in Notfallsituationen besprochen. Sie erhalten zusätzlich die Möglichkeit praktisch an Ihrem Pferd oder Pony einfache und fortgeschrittenere Ersthelfermaßnahmen durchzuführen, denn auch in Erster Hilfe macht Übung den Meister.

Sie haben weitere Fragen zum Erste Hilfe Kurs oder wollen einen Kurs in Ihrem Stall organisieren? Sprechen Sie uns gerne an oder kontaktieren Sie uns per WhatsApp.



August 2023

Cushing hat viele Gesichter - Gutschein-Aktion zur Diagnostik ab dem 14. August

Langes, lockiges Fell, ein mühsamer Fellwechsel und eine Veränderung des Erscheinungsbildes mit Hängebauch und Senkrücken sind leicht zu erkennende, aber auch oft recht spät auftretende Anzeichen dafür, dass ein Pferd am Equinen Cushing-Syndrom (auch bezeichnet als Pituitary Pars Intermedia Dysfunktion = PPID) leidet. Aber wussten Sie auch, dass wiederkehrende infektiöse Erkrankungen durch eine geschwächte Immunabwehr (z.B. Entzündungen der Augenhornhaut, Kieferhöhlenentzündungen, Hautpilz oder Hufabszesse), schlechte Wundheilung und übermäßiges Schwitzen Anzeichen für das Cushing-Syndrom sein können? Im Frühstadium der Erkrankung können Verhaltensänderungen, Muskelabbau und Leistungsminderung die einzigen Symptome sein. Es lohnt sich, eine PPID bereits frühzeitig zu erkennen und somit behandeln zu können, denn 50 bis 80 Prozent der Pferde mit Cushing-Syndrom erkranken früher oder später an Hufrehe, welche dramatisch verlaufen kann und immer potentiell lebensbedrohlich ist. 

Studien zeigen, dass etwa 20 Prozent der Pferde im Alter von über 15 Jahren an PPID erkrankt sind, aber auch jüngere Pferde können betroffen sein. Damit ist das Cushing-Syndrom die häufigste hormonell bedingte Erkrankung bei Pferden. Auch wenn es sich um eine chronisch fortschreitende und aktuell nicht heilbare Krankheit handelt, kann das Cushing-Syndrom mit Medikamenten sehr erfolgreich behandelt werden. Eine rechtzeitige Diagnose und Therapie kann den Pferden viel Lebensqualität schenken, schwere Verläufe verhindern und dadurch zu einem langen und lebenswerten Pferdeleben beitragen.


Auch in diesem Jahr bietet die Firma Boehringer Ingelheim vom 14. August bis 29. September 2023 wieder eine Gutschein-Aktion für die Übernahme der Laborkosten zum erstmaligen Test auf Cushing mittels ACTH-Bluttest an. Viele weitere Informationen rund um das Thema Cushing-Syndrom und den Gutschein (ab dem 14. August) zum Download finden Sie unter https://www.cushing-hat-viele-gesichter.de/
Für Terminvereinbarungen und bei weiteren Fragen kontaktieren Sie uns bitte rechtzeitig telefonisch.



Weidezeit ist Würmerzeit - Warum eine Entwurmung jetzt wichtig ist - mit Video

Pferde können von verschiedensten Endoparasiten - dazu gehören Würmer und ihre Larven, aber auch Fliegenlarven wie die Magendasseln - befallen werden, die ganz unterschiedliche Schäden im Pferdekörper anrichten, auf verschiedenen Wegen übertragen werden und sich dementsprechend im Verlauf des Jahres in ihrerer Bedeutung für die Pferdegesundheit und Entwurmungsstrategie unterscheiden. Jetzt im Sommer während der Weidesaison gilt unsere Aufmerksamkeit besonders den Strongyliden, die bei übermäßigem Befall im Sommer zu unschönen Problemen im Winter und folgenden Frühjahr führen können, weshalb eine sinnvolle und langfristig ausgerichtete Parasitenprophylaxe bereits jetzt im Sommer wichtig ist.

Die ESCCAP, ein Gremium aus internationalen Experten auf dem Gebiet der Parasitologie, hat ausführliche Empfehlungen zur Diagnostik und Bekämpfung der für Pferde relevanten Parasiten herausgegeben, die Sie hier nachlesen können. Die wichtigsten Informationen sind in den untenstehenden Video anschaulich zusammengefasst.


Wer sich ausführlicher mit den verschiedenen möglichen Entwurmungsstrategien und ihren Vor- und Nachteilen beschäftigen möchte, dem sei das folgende Webinar empfohlen. Grundsätzlich ist es immer wichtig, die individuellen Haltungsbedingungen, die Herdenkonstellation und das Alter der Pferde in die Entscheidung nach einem Entwurmungsregime einzubeziehen, um eine passende Lösung zu finden.

Bei Fragen rund um die Endoparasitenprophylaxe beraten wir Sie gern.


Herzlich Willkommen im Team: Aenne Grube ist jetzt Teil der Pferdepraxis Reinfeld

Seit Monatsbeginn verstärkt Aenne Grube als Tiermedizinische Fachangestellte unser Team. Wir sind sehr froh, eine in einer Pferdepraxis ausgebildete und gleichzeitig privat pferdebegeisterte Mitarbeiterin gewonnen zu haben, die uns in unserem täglichen Einsatz für die Gesundheit und das Wohlergehen unserer vierbeinigen Patienten unterstützen wird. Aenne wird uns bei aufwändigeren Patientenbesuchen assistieren und uns Tierärztinnen außerdem von der oft unsichtbaren, aber leider ebenso oft sehr umfangreichen Logistik entlasten, die es erfordert, um eine Pferdefahrpraxis im Laufen zu halten. Wer mehr über Aenne Grube erfahren möchte, klickt bitte hier.

Indem wir einen Teil der Aufgaben rund um Apotheke, Labor, Instrumentenaufbereitung und Büro vertrauensvoll und guten Gewissens in die Hände einer qualifizierten Tiermedizinischen Fachangestellten legen können, bleibt uns Tierärztinnen mehr Zeit und Raum für die tierärztlichen Kernaufgaben rund um die Betreuung unserer Patienten.

Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit - jetzt auch mit Aenne - für Ihre und Eure Pferde, Ponys, Esel und Maultiere!


Juni 2023

Turnier des RV Zarpen mit Spendenaktion für Equiwent vom 9. bis 11. Juni

Wir als Team der Pferdepraxis Reinfeld freuen uns, im fünften Jahr in Folge das Turnier des RV Zarpen als Sponsoren zu unterstützen und als Turniertierärzte aktiver Teil einer mit viel Herzblut organisierten Veranstaltung zu sein, auf der wir jederzeit für die vierbeinigen Sportler da sind und uns für fairen, pferdegerechten Sport einsetzen. In diesem Jahr wird unser Engagement noch sichtbarer sein, denn wir sind stolzer Sponsor der Stallplaketten, die bald die Boxen der erfolgreichsten Platzierten zieren werden. Doch es gibt auch Pferde, deren Leben viel weniger glamourös aussieht und die dringend tatkräftige Hilfe benötigen. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, unseren Platz auf den diesjährigen Stallplaketten mit der Hilfsorganisation Equiwent zu teilen, sodass noch mehr Pferdefreunde ihre großartige Arbeit kennenlernen. An allen Turniertagen sind wir auf dem Turnier neben unserer tierärztlichen Tätigkeit auch zu Fragen rund um Equiwent ansprechbar und haben umfangreiches Infomaterial für Interessierte an Bord.

Und weil Worte und Bilder schön sind, aber ohne Taten gar nichts nützen, spenden wir als Pferdepraxis Reinfeld für jedes auf dem Turnier auf Hof Springbek platzierte Pferd 4 Euro an Equiwent - für nachhaltigen Tierschutz gepaart mit humanitärer Hilfe, ohne ideologische Scheuklappen und mit viel Sachverstand.


März 2023

Ein Fohlen aus meiner Stute: Alles rund um Geburt und Erstversorgung des Fohlens - mit Podcast

Frühling ist Fohlenzeit - eine aufregende Jahreszeit für alle Züchter und ihre Tierärzte. Rund um die Geburt sollte alles optimal laufen, um dem lange geplanten Fohlen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Schnelles und richtiges Handeln kann in dieser kritischen Zeit Leben retten, deshalb ist es wichtig, als Stutenbesitzer gut vorbereitet zu sein. Wer lieber hört, als liest, dem sei der Podcast der GPM zu diesem Thema empfohlen (gibt es natürlich auch bei Spotify).

Die Trächtigkeit neigt sich dem Ende zu: Welche Vorbereitungen sollten Sie jetzt treffen und wann geht es endlich los?

Wie lange die Trächtigkeit dauert, ist beim Pferd sehr variabel. Durchschnittlich dauert die Trächtigkeit 336 Tage, also etwa 11 Monate, jedoch können auch völlig normale Trächtigkeiten zwischen 320 und 380 Tage - im Extremfall bis 400 Tage dauern. Dies ist von Stute zu Stute verschieden.
Die Stute sollte vier bis sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin in die Abfohlbox umziehen, um sich an die Umgebung und deren Keimflora zu gewöhnen. So kann sie die passenden Antikörper produzieren, die nach der Geburt dem Fohlen wichtigen Schutz bieten. Für eine gute Mutter-Kind-Bindung ist es außerdem (insbesondere bei Maidenstuten, die ihr erstes Fohlen bekommen) wichtig, dass die Stute sich in ihrer Umgebung wohl fühlt und entspannt ist. Manchen Stuten hilft es, eine erfahrene Stute in ihrer Nähe zu haben. Dies entspricht auch dem Verhalten in der Natur, wo viele Stuten im Kreis der Herde abfohlen.
Durch die sehr variable Trächtigkeitsdauer beim Pferd, ist die Überwachung der Stute vor dem Geburtstermin und die Beobachtung der Geburtsanzeichen essentiell. Schon ein paar Tage vor der Geburt gibt es in der Regel - auch dies ist von Stute zu Stute unterschiedlich - Anzeichen, die auf die nahende Geburt hinweisen. Die Beckenbänder der Stute werden weicher und fallen ein. Die Bauchform verändert sich und wechselt von eher tonnen- zu birnenförmig. Die Stute eutert auf, das Euter wird also größer und die Milchbildung setzt ein. Einige Tage vor der Geburt finden sich bei vielen (nicht allen) Stuten die sogenannten Harztropfen an den Zitzen, dabei handelt es sich um eingetrocknetes Vorkolostrum (Biestmilch). Lassen sich bei der Stute vor der Geburt bereits einige Tropfen Milch abmelken, kann der pH-Wert bestimmt werden, der kurz vor der Geburt abfällt. In der Regel fohlen die Stuten bei einem pH-Wert von 5,6 bis 6,2 innerhalb der nächsten 24 bis 48 Stunden. Nachteil dieses Tests ist, dass das häufige Hantieren am Euter der Stute zu einem verfrühten Milcheinschuss führen kann. Lässt die Stute deutlich vor der Geburt bereits "die Milch laufen", geht das wertvolle Kolostrum für das Fohlen verloren, was ernste Probleme hervorrufen kann. Deshalb sollte man so wenig wie möglich ans Euter fassen. Stuten können die Geburt aktiv hinauszögern, bis sie sich ungestört fühlen, weshalb über 90% der Fohlen in der Nacht zur Welt kommen. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

Bevor es losgeht, sollten Sie neben der Geburtsüberwachung alles für die Erstversorgung des Fohlens vorbereitet haben. Dafür benötigen Sie Klistiere für den Abgang des Darmpechs, Jodlösung sowie ein kleines Gefäß (z.B. Schnapsglas) zur Nabeldesinfektion und am besten eine Flasche mit Sauger (für Pferde, alternativ für Lämmer, nicht für Menschenbabys) für den Notfall. Grundsätzlich sollte natürlich auch eine Stallapotheke inkl. funktionierendem Fieberthermometer, Einmalhandschuhen und der Telefonnummer des betreuenden Tierarztes in Reichweite sein. Es bietet sich an, seinen Tierarzt vorab zu informieren, wenn die Geburt bevorsteht, sodass er vorbereitet ist und auch nachts schnell verfügbar ist.

Geburtsüberwachung: Welche Methoden gibt es und welche passt zu meiner Stute?

Da Geburtsstockungen beim Pferd innerhalb kürzester Zeit das Leben von Stute und Fohlen gefährden können, ist eine gute Geburtsüberwachung absolut entscheidend. Zur Geburtsüberwachung gibt es diverse Methoden, die alle ihre Vor- und Nachteile haben, sodass jeder Züchter für sich den optimalen Weg herausfinden muss. Sehr personalintensiv, aber dafür am sichersten ist die Geburtsüberwachung per Kamera mit ständiger Nachtwache vor dem Bildschirm durch erfahrene Züchter oder Gestütsmitarbeiter. Mit dieser Methode werden Geburtsbeginn und Komplikationen am schnellsten erkannt, sodass wenn nötig sofort eingegriffen werden kann und es besteht keine Gefahr technischer Fehlalarme oder Ausfälle. Außerdem wird die Stute nicht gestört. Ebenfalls sehr zuverlässig sind Sensoren, die kurz vor dem Geburtstermin vom Tierarzt in die Schamlippen der Stute eingenäht werden. Hierbei ist der Nachteil, dass dies erstens eine recht invasive Methode darstellt und außerdem die Sensoren erst alarmieren, wenn die Austreibungsphase beginnt. Es bleibt vom Alarm also im Zweifelsfall nur wenig Zeit, um helfend einzugreifen. Außerdem kann es vorkommen, dass bei bestimmten Geburtsstockungen (z.B. Beugehaltungen der Gliedmaßen) gar kein Alarm ausgelöst wird. Weit verbreitet sind Sensoren, die am Halfter angebracht werden oder in einen Brustgurt eingebaut sind und per Telefon Alarm schlagen, wenn die Stute für eine bestimmte Zeit in Seitenlage liegt oder vermehrt schwitzt. Hierbei besteht eine recht hohe Wahrscheinlichkeit von Fehlalarmen, wenn die Stute sich hinlegt, obwohl die Geburt noch nicht bevorsteht oder von "Versagern", wenn die Stute kaum schwitzt, nicht in Seitenlage abfohlt oder der Gurt verrutscht. Welche der Methoden für Ihre Stute geeignet ist, ist individuell. Möglich und üblich ist auch eine Kombination von Kameraüberwachung und Sensoren, sodass am Monitor überprüft werden kann, ob es sich um einen Fehlalarm handelt oder die Geburt wirklich im Gange ist.

Wie läuft eine normale Pferdegeburt ab und wann muss ich mir Sorgen machen?

Die Geburt beginnt mit dem Öffnungsphase, dies setzt meist unbemerkt vor den Wehen ein. Manche Stuten zeigen in dieser Phase bereits eine gewisse Unruhe oder legen sich häufiger hin und stehen wieder auf. Setzen dann die Wehen ein, wird das Fohlen in den Geburtsweg vorgetrieben und die Geburtswege weiten sich. Etwa zwei Stunden nach Beginn des Öffnungsphase kommt es zum Fruchtblasensprung. Mit dem Sprung der Fruchtblase beginnt die Austreibungsphase, für die sich die meisten Stuten, oft in Seitenlage, hinlegen. Die Austreibungsphase dauert normalerweise nur fünf bis zehn Minuten, es geht also alles sehr schnell. Sollte die Geburt über zehn oder gar zwanzig Minuten nicht vorangehen, liegt sehr wahrscheinlich eine Geburtsstockung vor, die sofortiges Handeln erfordert. Durch die Anatomie des Geburtsweges wird beim Pferd schnell die Nabelschnur abgedrückt, sodass das Fohlen bei Geburtsstockungen in kürzester Zeit in Lebensgefahr schwebt. Erfahrene Züchter können selbst Geburtshilfe leisten. Wer damit keine Erfahrung hat, ruft seinen Tierarzt an, der so schnell wie möglich kommen und währenddessen telefonisch Hilfestellung leisten kann. Wichtig ist dabei vor allem, ob das Fohlen korrekt liegt. Normalerweise werden Fohlen mit gestreckten Vorderbeinen und dem oben darauf liegenden gestreckten Kopf geboren. Prüfen Sie also, ob sie zwei Hufe und darauf die Nase des Fohlens sehen oder fühlen können. Ist dies der Fall, kann mit maximal zwei Erwachsenen, evtl. unter telefonischer Anleitung durch den Tierarzt, zusammen mit den Wehen der Stute dosierte Zughilfe geleistet werden. Korrekturen von Fehllagen des Fohlens oder Fehlhaltungen von Kopf und Gliedmaßen sollten nur von erfahrenen Züchtern oder Tierärzten durchgeführt werden, um das Verletzungsrisiko für die Stute gering zu halten. Sobald wie möglich sollten die Nüstern des Fohlens durch Ausstreichen von oben von Schleim und Resten von Fruchthüllen und -wasser befreit werden, damit das Fohlen problemlos atmen kann.

Das Fohlen ist da! Wie geht es jetzt weiter?

Sollte alles gut gegangen sein, liegt das Fohlen nun im Stroh, hebt den Kopf und atmet regelmäßig. Ist dies nicht der Fall, kann man das Fohlen an den Hinterbeinen anheben und über Kopf halten, sodass Fruchtwasser aus den Atemwegen abfließen kann. Bei schwachen Fohlen kann durch Abreiben mit Handtüchern oder sauberem Stroh der Kreislauf in Schwung gebracht werden. Wenn alles komplikationslos verlaufen ist, sollte man Stute und Fohlen jedoch in dieser Phase in Ruhe durchatmen und sich kennenlernen lassen.
In den meisten Fällen reißt die Nabelschnur, sobald die Stute aufsteht. Wenn Stute und Fohlen noch liegen und durch die Nabelschnur verbunden sind, sollte diese nicht durchtrennt werden, da noch Sauerstoff und Nährstoffe aus der Plazenta in den Kreislauf des Fohlens übertragen werden. Die Nabelschnur besitzt eine Art Sollbruchstelle etwa zehn Zentimeter von der Bauchdecke des Fohlens entfernt, an der die Trennung erfolgt, sollte dies bei Aufstehversuchen nicht der Fall sein, darf an dieser Sollbruchstelle durch Zug nachgeholfen werden, allerdings sollte ein Zerschneiden z.B. mit einer Schere vermieden werden. Der Nabel des Fohlens ist eine der Haupteintrittspforten für Keime, deshalb sollte er nach der Geburt sobald wie möglich desinfiziert werden und die Nabeldesinfektion in den ersten Lebenstagen mehrmals täglich wiederholt werden. Die Desinfektion erfolgt mit einer Jodlösung, die in ein kleines Gefäß (s.o.) gefüllt und in das der Nabel getaucht wird. Außerdem sollte, um den Abgang des Mekoniums (= Darmpech) zu unterstützen, rektal ein Klistier eingegeben werden. Besonders Hengstfohlen neigen zu einer potenziell lebensgefährlichen Mekoniumverhaltung, aber auch bei Stutfohlen empfiehlt sich die prophylaktische Eingabe eines Klistiers, um den Mekoniumabgang zu erleichtern. Insgesamt sollte das Fohlen in den ersten Lebensstunden so viel dunkles Mekonium absetzen, dass die kleinen "Ködel" aufgereiht etwa einen Meter lang sind. Presst das Fohlen in den folgenden Stunden und kann keinen Kot absetzen, muss kontrolliert werden, ob es wirklich alles Mekonium losgeworden ist. Der Klistier kann wiederholt werden. Hilft das nicht, muss auf jeden Fall ein Tierarzt zu Rate gezogen werden.
Ab jetzt heißt es für das Fohlen: Je schneller, desto besser! Das Fohlen sollte spätestens zwanzig Minuten nach der Geburt einen Schluckreflex zeigen und nach spätestens einer Stunde stehen. Die erste Milchaufnahme an der Stute sollte nach spätestens zwei Stunden erfolgt sein. Dabei ist es essentiell, dass das Fohlen ausreichend, das heißt mindestens zwei Liter, Kolostrum (= Biestmilch) aufnimmt. Fohlen werden ohne schützende Immunglobuline (= Antikörper) geboren und müssen diese über das Kolostrum aufnehmen, um den Keimen in ihrer Umgebung nicht schutzlos ausgeliefert zu sein. Hat die Stute vor der Geburt bereits die Milch laufen lassen, sodass das Kolostrum verloren gegangen ist, kann eingefrorenes Kolostrum einer anderen Stute oder Kolostrumersatz per Flasche getränkt werden. Ein Fohlen, dass nicht innerhalb von zwei Stunden nach der Geburt steht und trinkt, ist als potentiell gefährdet anzusehen und benötigt dringend tierärztliche Hilfe.

In den ersten Lebenstagen sollte das Fohlen besonders genau beobachtet werden. Dazu gehört die Kontrolle des Allgemeinbefindens, der ausreichenden Milchaufnahme (auch das Euter der Stute prüfen), regelmäßiger physiologischer Harn- und Kotabsatz sowie das Messen der inneren Körpertemperatur (beim neugeborenen Fohlen physiologisch zwischen 38,0 und 38,5°C).

Bei aller Freude über das Fohlen: Was die Stute jetzt braucht

In den ersten Stunden und Tagen nach der Geburt, sollten wir auch die Stute nicht vergessen. Die Nachgeburt sollte, sofern sie nicht abgegangen ist, bevor die Stute aufgestanden ist, hochgebunden werden, sodass die Stute nicht darauf tritt. Das Gewicht der hochgebundenen Nachgeburt erleichtert den Nachgeburtsabgang, weshalb sie nicht abgeschnitten werden sollte. Durch die Nachwehen sollte die Nachgeburt innerhalb von zwei Stunden nach der Geburt abgehen und auf Vollständigkeit kontrolliert werden. Ist die Nachgeburt auch sechs Stunden nach der Geburt nicht oder unvollständig abgegangen, ist so schnell wie möglich ein Tierarzt zur Hilfe zu holen. Andernfalls kann die Stute eine lebensbedrohliche Septikämie (= Blutvergiftung) und dadurch bedingt eine Hufrehe erleiden. Frühes Eingreifen ist auch hier essentiell für die Gesundheit der Stute und damit das Überleben des Fohlens. Eine Kontrolle der äußeren Scham auf Geburtsverletzungen ist selbstverständlich, insbesondere dann, wenn Geburtshilfe geleistet wurde. Rund um die Geburt sind Stuten anfälliger für Koliken, weshalb bereits leichte Koliksymptome ernst genommen werden und der Tierarzt verständigt werden sollte. Vorbeugend kann man der Stute rund um die Geburt etwas Mash füttern. Außerdem sollten Stute und Fohlen die ersten Tage nach der Geburt nicht in der Box verbringen sondern die Möglichkeit haben, sich auf der Koppel (oder bei schlechtem Wetter in der Reithalle) zu bewegen. Die Stute erhält ein mineralisiertes Kraftfutter für Zuchtstuten, an das sie bereits vor der Geburt gewöhnt wurde (mehr dazu weiter unten im Beitrag zur Trächtigkeit). Die Menge wird entsprechend erhöht, da die Stute nun durch die Milchproduktion einen höheren Energie- und Eiweißbedarf hat. Ebenso wie beim Fohlen sollten wir auch bei der Stute die innere Körpertemperatur in den Tagen nach der Geburt regelmäßig messen, um z.B. Gebärmutterentzündungen frühzeitig bemerken und behandeln zu können.


Wir wünschen allen Züchtern und ihren Stuten eine komplikationslose und entspannte Abfohlsaison mit gesunden Fohlen und viel Freude. Bei Fragen kontaktieren Sie uns gern telefonisch.


Februar 2023

West-Nil-Virus bei Pferden jetzt auch in Norddeutschland - Update und Spendenaktion "Impfen für Equiwent"

Nachdem sich das West-Nil-Virus in den letzten Jahren in Deutschland etabliert und ausgebreitet hat, wurden im vergangenen Jahr die ersten Infektionen bei Pferden in Hamburg und im Südwesten von Mecklenburg nachgewiesen. Auch bei Vögeln, die die Hauptwirte für das Virus sind, wurde das Virus in Hamburg in 2022 erneut gefunden. Eine Karte des Friedrich-Löffler-Instituts zeigt die Nachweise bei Vögeln und Pferden und damit das Verbreitungsgebiets des West-Nil-Virus in Deutschland im letzten Jahr.


Wer sein Pferd vor schweren Krankheitsverläufen mit neurologischen Symptomen bis hin zum Tod schützen möchte, sollte vor Beginn der Mückensaison für einen belastbaren Impfschutz mit einer vollständigen Grundimmunisierung bzw. der rechtzeitigen jährlichen Auffrischungsimpfung sorgen. Nähere Informationen zum West-Nil-Virus und zur Impfung habe ich hier zum Nachlesen zusammengestellt.

Wie bereits im letzten Jahr möchte ich die Impfungen gegen das West-Nil-Virus in unserer Praxis mit einer Spendenaktion für die Equiwent Hilfsorganisation verbinden. Für jede Impfung gegen das West-Nil-Virus spenden wir als Pferdepraxis Reinfeld 5 Euro an Equiwent, denn gerade in schweren Zeiten wie jetzt, ist es uns ein Anliegen, Tiere und Menschen in Not zu unterstützen. Auf den Preis der Impfung für Sie als Tierhalter hat die Spendenaktion keinen Einfluss.

Equiwent steht als internationale Hilfsorganisation für Menschen und Tiere in Not für nachhaltige Entwicklungshilfe, Völkerverständigung und ganzheitlichen Tierschutz in Kombination mit humanitärer Hilfe. Eine Gemeinschaft aus Tierärzten, Hufschmieden, Tierpflegern und studierten Sozialarbeitern arbeitet Hand in Hand, um Tieren und ihren Menschen auf Augenhöhe zu helfen und begleitet sie mit geballter Sachkunde auf dem Weg in ein langfristig lebenswerteres Leben. Mir als Pferdetierärztin liegt dabei natürlich die Pferdehilfe für Arbeitspferde im bitterarmen Ostrumänien, die seit mittlerweile 8 Jahren durch die erste kostenlose Pferdeklinik in Europa ergänzt wird, am Herzen. Durch die geographische Nähe zur Ukraine hat Equiwent im vergangenen Jahr seine Hilfe schnell und kompetent auf die Ukraine ausgeweitet und unterstützt z.B. die Esel- und Pferdehilfe Kiew. Aber auch in vielen anderen Regionen der Welt ist Equiwent mit unideologischen, zupackenden Projekten für Tiere und Menschen aktiv - ohne Tiervermittlungen nach Deutschland, dafür mit wirksamer Armutsbekämpfung und Verbesserung der Lebensgrundlagen vor Ort - denn hinter (fast) jedem Tierschutzfall steckt eine menschliche Tragödie. Wenn wir mit dieser Spendenaktion einen kleinen Teil zur Finanzierung dieser bewundernswerten Arbeit beitragen und etwas Aufmerksamkeit für eine so sinnvolle Organisation gewinnen können, freut uns das von Herzen.

Terminwünsche für Impfungen gegen das West-Nil-Virus, gern auch Sammeltermine für mehrere Pferde - das spart euch Fahrtkosten und uns Zeit - sendet uns gern per Whatsapp oder ruft uns einfach an.


Dezember 2022

Weihnachtsgrüße und Dienstzeiten über die Feiertage

Für die Pferdepraxis Reinfeld war das Jahr 2022 eine sehr spannende Zeit. Die allergrößte Veränderung: Wir sind jetzt ein Tierärzteteam! Mit Lisa Böttger als zweiter Tierärztin sind wir jetzt mit doppelter Kraft für Ihre und Eure Pferde und Ponys im Einsatz. Wir bedanken uns ganz herzlich für das in diesem Jahr entgegengebrachte Vertrauen, die wertschätzende Zusammenarbeit und wünschen allen unseren Kunden und Patienten fröhliche Weihnachten, einen entspannten Jahreswechsel und ein gesundes neues Jahr 2023!

Für Notfälle und Probleme, die nicht mehrere Tage warten können, sind wir für unsere Patienten wie gewohnt rund um die Uhr erreichbar, natürlich auch an den Feiertagen. Ansonsten nutzen wir die nächsten zwei Wochen zum Luftholen und starten dann ab dem 9.1. wieder mit Terminen für Routinebehandlungen wie Impfungen und Zahnbehandlungen. Terminwünsche erreichen uns wie gewohnt auch vorher per SMS oder Whatsapp. 


November 2022

Neue Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) - Was sich jetzt ändert und warum

Am 22. November 2022 tritt eine neue Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) in Kraft. Es ist die erste inhaltlich umfassende Überarbeitung der GOT seit 1999, um sie den veränderten Bedingungen in der modernen Tiermedizin anzupassen. Die GOT ist ein Bundesgesetz und ihre Einhaltung für jeden Tierarzt in Deutschland verpflichtend. Grundsätzlich dient die GOT dazu, Tierbesitzer vor Wucherpreisen zu schützen. Sie soll dafür sorgen, dass der Wettbewerb der Tierarztpraxen und -kliniken untereinander über die Qualität der Arbeit und nicht über den Preis geführt wird. Dies wiederum kommt den Tieren und ihren Haltern zu Gute. Ein Tierarzt, der heute billig ist, wird dafür früher oder später Abstriche bei der Qualität und Menge des Personals, deren und seiner eigenen Fort- und Weiterbildung, der Qualität und Verfügbarkeit von modernem Praxisequipment und schlussendlich auch bei der Zeit, die er sich für jeden Patienten nehmen kann, machen müssen. Der Anpassung der GOT liegt eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2021 zu Grunde, die angemessene Gebührensätze ermittelt hat und zu dem Ergebnis kam, dass die alten Gebührensätze im einfachen Satz nicht kostendeckend sind. Ziel der neuen Gebührenordnung ist es, dass der einfache Abrechnungssatz im Normalfall wieder kostendeckend für die Tierärzte sein soll. Nur damit kann eine zuverlässige und qualitativ dem modernen medizinischen Standard angemessene tierärztliche Versorgung jetzt und in Zukunft gewährleistet werden.

Dafür war eine Veränderung lange überfällig, denn auch wenn Tierarzt (oder meistens Tierärztin) weiterhin für viele Kinder und Jugendliche ein Traumberuf ist, fehlt es dem tierärztlichen Berufsstand massiv an Nachwuchs, der Fachkräftemangel ist längst Realität. Um attraktive Arbeitsbedingungen bei angemessener Bezahlung für junge, gut ausgebildete Kollegen zu schaffen, braucht es eine sichere wirtschaftliche Situation der Tierarztpraxen und -kliniken. Darüberhinaus ist die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Praxen über die Anpassung der GOT auch ein Instrument, um auch in Zukunft noch unabhängige, inhabergeführte Tierarztpraxen und -kliniken in Deutschland zu haben. Immer mehr Kollegen sehen sich aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten, zunehmender Bürokratie oder in Ermangelung eines Nachfolgers gezwungen, ihre Praxen an Investoren zu verkaufen - große Konzerne, die es vorrangig auf Profit und nicht auf das Tierwohl abgesehen haben. Den Preis dafür zahlen später vor allem die Patientenbesitzer und ihre Tiere.

Im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens wurden alle von der GOT betroffenen Akteure einbezogen und haben ihre Zustimmung zu der nun gültigen Fassung gegeben. Die GOT ist also KEIN von Tierärzten erfundenes Dokument sondern ein von Verbraucher-, Tierschutz-, Zucht- und auch Pferdesportverbänden gemeinsam mit der Tierärzteschaft, Bundesministerien und -regierung sowie dem Bundesrat entwickeltes Gesetz, von dem langfristig alle Parteien profitieren werden. Auch wenn die Gebührenanpassungen an einigen Stellen sehr hoch erscheinen mögen, ist es wichtig zu bedenken, dass auch Tierarztpraxen von den aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen durch enorm gestiegene Energiepreise und Inflation nicht verschont bleiben und diese bei der aktualisierten GOT noch nicht einmal mit eingepreist sind.

Welche konkreten Änderungen sind für mich als Pferdebesitzer besonders relevant?

- Die GOT wurde um diverse Leistungen erweitert, insbesondere um neuere Methoden der Diagnostik und Therapie. So wird der Weiterentwicklung der modernen Tiermedizin Rechnung getragen, damit unsere Patienten davon profitieren und Tierärzte diese neuen Leistungen einheitlich abrechnen können.

- Die Darstellung der einzelnen Leistungen auf der Rechnung wird kleinteiliger und soll damit noch transparenter für den Tierbesitzer sein. Jede erbrachte Leistung muss einzeln mit ihrer laufenden Nummer aus der GOT aufgeführt werden. Dementsprechend wird es keine Sammelbegriffe (wie z.B. zur Zeit "Impfung inkl. Untersuchung und Impfstoff") mehr geben. Bitte lassen Sie sich davon nicht verwirren. Grundsätzlich bleiben die erbrachten Leistungen z.B. bei einer Impfung die selben wie vorher, nur die Darstellung der Abrechnung und durch die neuen Gebührensätze auch der Preis werden sich verändern.

- Es wird eine neue Gebührenposition "Hausbesuch" (Nr. 40) in Höhe von 34,50 Euro (netto, 1-facher Satz) eingeführt, die in der Fahrpraxis bei jedem Besuch einmal für jeden Tierbesitzer (= Rechnungsempfänger) zwingend zu erheben ist. Diese Gebühr soll dazu dienen, die Kosten und den Aufwand der Fahrpraxis durch Ausrüstung und Instandhaltung des Praxisfahrzeugs, Rüstzeit für die Autoapotheke, schnelleren Verschleiß der Geräte beim Einsatz in der Außenpraxis und den erhöhten Aufwand der Behandlung von Patienten im Heimatstall sowie den zusätzlichen Organisationsbedarf für Routenplanung und Absprachen in der Fahrpraxis abzubilden. Die Gebühr darf nicht auf mehrere Tierbesitzer bei einem Sammeltermin aufgeteilt werden. Sie gilt nicht für Hausbesuche bei landwirtschaftlichen Nutztieren, was in der Pferdepraxis jedoch nur auf Holzrückepferde und Zuchtstuten in der Schlachtpferdezucht zutrifft, weshalb dies in meiner Praxis selten vorkommen dürfte.

- Mit der neuen GOT muss das Wegegeld (oft auch als Fahrtkosten bezeichnet, bisher bei mir "Besuchsanteil") verpflichtend bei jedem Besuch ohne Ausnahme abgerechnet werden. Es beträgt unverändert 3,50 Euro pro Doppel-Kilometer und wird weiterhin bei mehreren Terminen an einer Tour oder gar im selben Stall anteilig berechnet, jedoch müssen pro Tierbesitzer pro Besuch unabhängig von den gefahrenen Kilometern mindestens 13 Euro berechnet werden. Das Wegegeld war und ist schon immer Grundlage für Preisdiskussionen in der Tiermedizin. Berechnungen zeigen, dass die aktuell veranschlagten 3,50 Euro pro Doppel-Kilometer bei weitem nicht kostendeckend für den Tierarzt sind, wenn alle Kosten rund um die Fahrt einberechnet werden und zwar auch bereits vor den stark gestiegenen Kraftstoffpreisen. Bevor Sie sich also über die vermeintlich horrenden Anfahrtskosten auf Ihrer Tierarztrechnung ärgern, überlegen Sie kurz, welches Taxi die Strecke günstiger für Sie zurückgelegt hätte.

Nur zur Erinnerung: Die (unveränderten) Regelungen der GOT für den Notdienst

- Notdienstgebühr in Höhe von 50 Euro einmalig pro Behandlungsfall und Besitzer
- Abrechnung der tierärztlichen Leistungen im Notdienst mindestens mit dem 2-fachen Gebührensatz und je nach Aufwand bis zum 4-fachen Gebührensatz
- Notdienst ist in der Zeit von 18 Uhr bis 8 Uhr montags bis freitags sowie am Wochenende (Freitag 18 Uhr bis Montag 8 Uhr) und an Feiertagen (0 Uhr bis 24 Uhr)

Was kann ich als Pferdebesitzer tun, um mit den steigenden Gebühren zurechtzukommen?

- Vereinbaren Sie Termine für planbare Tierarztbesuche rechtzeitig und zuverlässig, sodass Besuche kombiniert und dadurch Fahrtkosten und Aufwand so gering wie möglich gehalten werden können. Je flexibler Sie zeitlich sind, desto einfacher machen Sie es uns, die Wege kurz und damit auch die Kosten im Rahmen zu halten.

- Warten Sie akute gesundheitliche Probleme Ihres Pferdes nicht unnötig lange ab, nach dem Motto "Vielleicht geht die Kolik ja von selbst weg". Solche Wunderheilungen sind leider selten und wenn der Tierarztbesuch dadurch in die Abendstunden oder auf das Wochenende geschoben wird, entstehen durch die wesentlich höheren Gebührensätze im Notdienst unnötig hohe Kosten - ganz abgesehen von der verlängerten unbehandelten Leidenszeit für Ihr Pferd. Wenn Sie sich unsicher sind, ob ein Tierarztbesuch wirklich nötig ist, scheuen Sie sich nicht, uns anzurufen. Wir können am Telefon zwar keine Diagnosen stellen, aber oft mit unserem Wissen und unserer Erfahrung besser abschätzen, wie eilig ein Tierarztbesuch notwendig ist oder Ratschläge zur Ersten Hilfe geben.

- Ziehen Sie eine Tierkrankenversicherung (und nicht nur eine OP-Versicherung) für Ihr Pferd in Betracht. Diese Versicherungen sind heutzutage sehr viel attraktiver als noch vor einigen Jahren. Zwar entstehen dadurch natürlich auch Kosten und Versicherungsfirmen sind keine Wohltätigkeitsvereine, aber die Ausgaben für die medizinische Versorgung Ihres Pferdes werden dadurch planbarer und das Risiko verteilt sich bei einer solchen Solidarversicherung breiter über alle Versicherungsnehmer. Wichtig ist, dass Sie auf eine ausreichende Absicherung achten, damit auch höhere Gebührensätze im Notdienst oder bei komplizierteren Behandlungen abgedeckt sind.

Weitere Informationen zum Nachlesen, -hören und -sehen finden Sie unter folgenden Links:

Video zur GOT des Bund Praktizierender Tierärzte (bpt) 

Merkblatt der Bundestierärztekammer zur neuen GOT

Video-Equinar von Dr. Kai Kreling zur neuen GOT


September 2022

Herpes-Impfpflicht für Turnierpferde ab 1.1.2023 - Was man jetzt wissen muss - mit Podcast

In anderen Bereichen von Pferdesport und -zucht gibt es schon länger Vorgaben zur Impfung gegen Herpes, um gefürchtete Ausbrüche dieser lebensbedrohlichen Krankheit zu verhindern. Ab dem 1.1.2023 gilt nun auch im Verfügungsbereich der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) eine Impfpflicht für Turnierpferde gegen EHV-1. Damit Sie und Ihr rechtzeitig informiert seid und entscheiden könnt, wie Ihr damit umgeht und ob die Notwendigkeit besteht, den Impfschutz Ihres oder Eures Pferdes oder Ponys anzupassen, hier ein paar Informationen. Wer lieber hört, als liest, dem sei der Podcast zum Thema Herpes beim Pferd der Gesellschaft für Pferdemedizin empfohlen.

Was passiert bei einer Herpes-Infektion beim Pferd?

Jede Tierart hat ihre eigenen Herpes-Viren, die also nicht auf andere Tierarten übergehen können. Bei Equiden - also Pferden, Eseln, ihren Kreuzungen und Zebras - kommen die equinen Herpesviren 1 bis 5 (EHV-1 bis EHV-5) vor, die sehr unterschiedliche Krankheitsbilder auslösen und gemeinsam haben, dass ein infiziertes Individuum nach der Ansteckung ein Leben lang Herpesviren in sich trägt, die z.B. in Stresssituationen und bei einem geschwächten Immunsystem wieder aktiviert werden können. Bei einer Reaktivierung oder einer zusätzlichen Infektion (sog. Superinfektion) können Krankheitssymptome auftreten und das Pferd kann andere Pferde mit Herpes-Viren anstecken. Besonders relevant ist das EHV-1, da es die schwersten Krankheitsverläufe hervorruft. Die Symptome reichen von Fieber über Nasenausfluss bis hin zu schweren neurologischen Ausfallserscheinungen mit Bewegungsstörungen bis zum Festliegen, Problemen beim Harn- und Kotabsatz und Verhaltensänderungen. EHV-1-Infektionen mit neurologischem Verlauf führen nicht selten zum Tod. Überleben die Pferde die akute Erkrankung, können langfristige neurologische Symptome zurückbleiben, die eine Unreitbarkeit oder eingeschränkte Lebensqualität des betroffenen Pferdes bedeuten können. Bei Züchtern gefürchtet sind EHV-1-Ausbrüche bei Zuchtstuten, die zu Aborten in der späten Trächtigkeiten oder der Geburt lebensschwacher Fohlen verursachen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer Herpes-Infektion für mein Pferd?

Leider sind die Behandlungsmöglichkeiten für an EHV erkrankte Pferde sehr eingeschränkt. In den meisten Fällen bleibt nur eine symptomatische, unterstützende Behandlung mit entzündungshemmenden und fiebersenkenden Medikamenten, pflegerische Maßnahmen wie das Entleeren der Blase und des Enddarms sowie die Unterstützung durch Hängegeschirre bei eingeschränkter Stehfähigkeit. Diese intensive Therapie ist mit hohem Aufwand bei oft frustrierendem Ausgang verbunden. Medikamente, die die Vermehrung der Herpesviren hemmen, werden aufgrund der sehr hohen Kosten nur in Einzelfällen und mit fraglichem Erfolg eingesetzt. Da die Therapie so schwierig und wenig erfolgversprechend ist, gilt einmal mehr: Vorbeugen ist besser als heilen!

Wie kann ich einer Herpes-Infektion bei meinem Pferd vorbeugen?

Herpes-Infektionen bei Pferden zu verhindern, ist eine Team-Aufgabe. Da aktuell die Verbreitung von EHV in der Pferdepopulation aufgrund der lebenslangen Infektion und der geringen Impfquote sehr hoch ist, hängt die Verhinderung von EHV-Ausbrüchen an uns allen. Zunächst einmal sollte man sich allgemeine Hygienemaßnahmen im Umgang mit Pferden immer wieder in Erinnerung rufen. Dazu gehört die Quarantäne von neu im Betrieb eingestellten Pferden (extrem wichtig, leider fast nie praktiziert), Reduzierung von direkten Kontakten zu betriebsfremden Pferden z.B. auf Pferdesportversportveranstaltungen und hygienischer Umgang mit Equipment. Eine gute Übersicht an sinnvollen Maßnahmen bietet der Hygieneleitfaden der FN. Langfristig sollte eine Reduzierung der Viruslast in der deutschen Pferdepopulation das Ziel sein, um für uns alle, die wir mit Pferden umgehen, die Sorgen um schwere Herpes-Ausbrüche und tragische Erkrankungen von einzelnen geliebten Pferden seltener werden zu lassen. Ein wichtiger Schritt dazu, ist eine Erhöhung der Impfquote, insbesondere bei Pferden, die viele Kontakte zu Pferden außerhalb ihres Heimatstalls haben. Genau das ist das Ziel der Herpes-Impfpflicht für Turnierpferde.

Was bringt die Herpes-Impfung meine Pferd und welche Risiken gibt es?

Gegen EHV geimpfte Pferde scheiden im Falle einer Infektion (oder Reaktivierung einer latent bereits vorhandenen Infektion) weniger und kürzer Herpes-Viren aus, sind also weniger und kürzer ansteckend für andere Pferde. Mit den aktuell verfügbaren Impfstoffen kann kein perfekter Individualschutz erreicht werden, so ehrlich muss man sein. Das bedeutet, dass auch geimpfte Pferde erkranken und auch geimpfte Pferde im Falle eines Ausbruchs versterben können. Je mehr Pferde allerdings konsequent gegen EHV geimpft sind, desto geringer ist die Gefahr von großen Ausbrüchen und desto geringer ist auch die Gefahr für das eigene Pferd fatal zu erkranken. Wie bereits gesagt: EHV-Bekämpfung ist Teamarbeit! Der beste Erfolg wird mit Bestandsimpfungen erreicht, also der Impfung aller Pferde eines Betriebs und nicht mit individuellem "Kleinklein". Die Impfpflicht für Turnierpferde, die häufig Kontakt zu betriebsfremden Pferden haben, zum Teil unter nicht unerheblichem Stress und in fremder Umgebung, ist ein erster Schritt in diese Richtung. Wie bei jeder Impfung kann es auch nach Herpes-Impfungen zu Impfreaktionen wie Schwellungen und Schmerzen an der Injektionsstelle, Fieber und Mattigkeit kommen. Nach unserer Erfahrung kommen diese Impfreaktionen bei allen verfügbaren EHV-Impfstoffen etwa gleich häufig, jedoch häufiger als bei Impfungen gegen Influenza, Tetanus oder West-Nil-Virus vor. In den allermeisten Fällen vergehen die Impfreaktionen innerhalb weniger Tage von selbst, in anderen Fällen kann mit entzündungshemmenden Medikamenten unterstützt werden. Schwere Nebenwirkungen, wie sie immer wieder in den sozialen Medien berichtet werden, sind äußerst seltene Ereignisse und oft ist der Zusammenhang mit der Impfung nicht sicher zu beweisen. Wir beraten Sie und Euch gern bei der Abwägung der Argumente für und gegen eine Impfung für Ihr und Euer individuelles Pferd, sollte es Bedenken gegenüber der Impfung geben.

Wie genau muss mein Pferd geimpft sein, damit es geschützt ist und auf Turnieren starten darf?

Für die Impfung stehen verschiedene Impfstoffe zur Verfügung, die einem unterschiedlichen Impfschema folgen. Ein Wechsel zwischen abgeschwächtem Lebend- und Totimpfstoff ist erst nach der dritten Impfung möglich und nicht unbedingt empfehlenswert. Wir verwenden seit Jahren einen Totimpfstoff gegen EHV-1, für den eine Grundimmunisierung aus zwei Impfungen im Abstand von 28 bis 42 Tagen gefordert wird. Danach erfolgen die Auffrischungsimpfungen alle sechs Monate (+ maximal 21 Tage). 14 Tage nach der 2. Impfung der Grundimmunisierung ist das Pferd auf Turnieren startberechtigt bzw. 7 Tage nach einer Auffrischungsimpfung. Es gilt also das gleiche Impfschema wie für Influenza. Es kann sich also anbieten, die Impfungen gegen Herpes und Influenza zu verbinden, um so die Zahl der nötigen Impftermine übers Jahr zu reduzieren. In den meisten Fällen wird dies von den Pferden genauso gut vertragen, wie wenn die Impfungen getrennt erfolgen. Bitte prüfen Sie bei der Planung für Turnierstarts in 2023 rechtzeitig, ob Ihr Pferd bereits korrekt geimpft ist und beachten Sie dabei auch die Abstände länger zurückliegender Impfungen, da das o.g. Schema ab der Grundimmunisierung lückenlos durchgeführt werden muss. Eine Ausnahme gilt nur für Pferde, die in den letzten mindestens drei Jahren halbjährlich gegen EHV-1 geimpft wurden. Bei diesen Pferden sind Lücken in der länger als drei Jahre zurückliegenden Impfhistorie zulässig. Sollte Ihr Pferd noch keinen Impfschutz gegen EHV haben, muss vor dem ersten geplanten Turnierstart ausreichend Zeit für die Grundimmunisierung (mindestens 6 Wochen ab der ersten Impfung bis zum Start) eingeplant werden. Auf der Website der FN kann man die Vorgaben zur EHV-Impfpflicht hier nachlesen.

Ihr habt alles durchgelesen und trotzdem noch Fragen zur Herpes-Impfung? Dann kontaktiert uns gern telefonisch.


Juni 2022

Foto: © Anja Medenwald-Hinz

Herzliche Glückwünsche den Siegern und Platzierten im Preis der Pferdepraxis Reinfeld

Nachdem pandemiebedingt in den letzten zwei Jahren die Siegerehrungen sehr spartanisch ausfallen mussten, konnten Sieger und Platzierte im Preis der Pferdepraxis Reinfeld, einer Reitpferdeprüfung, auf dem alljährlichen Turnier des RV Zarpen auf Hof Springbek sich wieder angemessen vom Publikum feiern lassen.

Es siegte der 4-jährige Hannoveranerhengst Stadtlander's Ishvara, vorgestellt von Cindy Schirmer.

Ich freue mich, diese tolle Veranstaltung auch in diesem Jahr wieder unterstützen zu können und gratuliere noch einmal herzlich dem siegenden Paar und den Platzierten!


Mai 2022

Lisa Böttger verstärkt ab sofort als zweite Tierärztin das Team der Pferdepraxis Reinfeld

Ich freue mich sehr, dass nun, vier Jahre nach meinem Start in Reinfeld, mit Lisa Böttger als zweiter Tierärztin aus dem Ein-Frau-Unternehmen ein richtiges Praxisteam wird. So wird es uns in Zukunft möglich sein, an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr für Ihre und Eure Pferde und Ponys da zu sein, wann immer es nötig ist. Für alle, die Lisa Böttger bisher noch nicht kennengelernt haben, stellt sie sich Ihnen und Euch selbst vor.

Moin,

mein Name ist Lisa Böttger und die meisten von Ihnen und Euch kennen mich schon, da ich die Pferdepraxis Reinfeld bereits seit 2018 begleite. Ich bin in Hamburg geboren und in Norddeutschland aufgewachsen und verfolge seit ich denken kann, mein Ziel Tierärztin zu werden. Mit dem Abschluss meines Tiermedizinstudiums in München und der Approbation im Gepäck, freue ich mich nun sehr darauf, zurück im Norden Ihren und Euren Pferden und Ponys voller Motivation und Tatendrang als Tierärztin in allen Lebenslagen zur Seite zu stehen.

Ich habe das große Privileg, die Pferdepraxis Reinfeld mit allen Abläufen und viele ihrer Patienten bereits seit Jahren zu kennen. Während meines Studiums hatte ich - auch dank der pandemiebedingten Online-Vorlesungen - die großartige Gelegenheit, mir parallel zur theoretischen universitären Ausbildung im Fahrpraxisalltag umfangreiche praktische Fertigkeiten anzueignen und Erfahrungen in genau dieser Praxis zu sammeln, in der ich nun arbeiten werde. Darüber hinaus habe ich u.a. in einem mehrmonatigen Praktikum in der renommierten Fachpraxis des Kollegen Gerhard Assmann in Opfenbach vertiefende Kenntnisse im Bereich Pferdeintensivmedizin inkl. Kolikchirurgie und in der ganzen Bandbreite der Reproduktionsmedizin erworben.

Weitere Praktika und Hospitanzen habe ich unter anderem bei Dr. Petra Wanders, spezialisiert auf Pferdezahnheilkunde, und Anke Rüsbüldt, Fachtierärztin für Pferde und diplomierte Pferdeosteopathin, absolviert.

Ich freue mich, Teil des Praxisteams zu sein und auf die Zusammenarbeit mit Mensch und Tier.


März 2022

Ein Fohlen aus meiner Stute - Von der Bedeckung durch die Trächtigkeit

Jetzt im Frühling ist Fohlenzeit und deshalb möchte ich einige Informationen zum Thema Trächtigkeit zum Nachlesen bereitstellen. Viele Fragen zu Untersuchungen vor Zuchtbeginn und Besamung habe ich weiter unten zusammengestellt. Wer den Podcast "Mein erstes Fohlen" der Gesellschaft für Pferdemedizin mit Prof. Dr. Karsten Feige und Dr. Jutta Sielhorst noch nicht gehört hat, findet viele Informationen zum Nachhören hier.

Meine Stute wurde gedeckt oder besamt - Wie geht es jetzt weiter?

Optimalerweise wird die Stute am Tag nach der letzten Besamung noch einmal vom Tierarzt mittels Ultraschall untersucht, um sicherzugehen, dass der Eisprung erfolgt ist und somit der Befruchtungszeitpunkt genau eingegrenzt werden kann. Außerdem kontrolliert der Tierarzt, ob die Gebärmutter normal auf die Besamung reagiert hat oder ob es Anzeichen einer Entzündung - einer sogenannten post-breeding-Endometritis - als Reaktion auf das Sperma des Hengstes gibt. Ist Letzteres der Fall, muss schnell eingegriffen werden, um die Chancen einer erfolgreichen Einnistung des Embryos in die Gebärmutterschleimhaut zu erhöhen.

Darüberhinaus stellt der Tierarzt fest, ob nur ein Follikel, also eine "Eiblase", zum Eisprung gekommen ist oder ob es möglicherweise eine Doppelovulation gegeben hat. Kommen zwei Eizellen zur Befruchtung, besteht das Risiko einer Zwillingsträchtigkeit, die beim Pferd absolut unerwünscht ist, da fast nie zwei gut entwickelte, gesunde Fohlen zur Welt kommen sondern die Trächtigkeiten meistens mit Komplikationen bis hin zum Abort behaftet sind und ein großes Risiko auch für die Stute bergen.

Im Normalfall erfolgt die erste Trächtigkeitsuntersuchung am 16. Tag nach dem Eisprung. Zu diesem Zeitpunkt kann eine Trächtigkeit mittels Ultraschall in aller Regel zuverlässig erkannt werden und es bleibt, falls die Stute nicht tragend ist, genug Zeit bis zur nächsten Rosse, damit diese für einen neuen Versuch genutzt werden kann. Wichtig ist dabei zu bedenken, dass die Entwicklung des Embryos logischerweise vom Zeitpunkt der Befruchtung abhängt. Der Zeitpunkt der letzten Besamung ist dafür nicht ausschlaggebend, da bei der üblichen Frischsamen-Besamung die Spermien ja vor dem Eisprung auf die Eizelle "warten" und die letzte Besamung deshalb in manchen Fällen bereits zwei Tage vor dem Eisprung gewesen sein kann. Klingt kompliziert, ist es aber eigentlich nicht solange man in dieser kritischen Phase gut mit dem betreuenden Tierarzt kommuniziert und nicht an einer Ultraschalluntersuchung spart.

Gab es eine Doppelovulation und besteht damit das Risiko einer Zwillingsträchtigkeit, sollte bereits am 14. Tag und danach nach Ermessen des Tierarztes untersucht werden, um Zwillinge im Zweifel rechtzeitig zu erkennen und auf eine Einlingsträchtigkeit zu reduzieren. 

Zwillingsträchtigkeit am 15. Tag nach Doppelovulation: Beide Embryonen haben sich mit direktem Kontakt zueinander im gleichen Horn eingenistet, was eine intensive tierärztliche Überwachung erfordert, damit am Ende nur ein gesundes Fohlen geboren wird.


Trächtigkeit am 16. Tag: Die Frucht ist als runde Blase mit typischen hellen Reflexen oben und unten sichtbar.



Die Stute ist tragend! Und nun?

Eine erste positive Trächtigkeitsuntersuchung am 16. Trächtigkeitstag ist ein Anlass zur Freude, aber noch keine Garantie für ein fröhliches Fohlen 11 Monate später. Verluste in der frühen Trächtigkeit sind beim Pferd nicht selten. Deshalb sollte mindestens noch eine zweite Trächtigkeitsuntersuchung mittels Ultraschall um den 35. Tag herum durchgeführt, um die normale Entwicklung zu überprüfen. Zu diesem Zeitpunkt ist anhand des bereits sichtbaren Herzschlag festzustellen, ob der Embryo vital ist.

Optimalerweise werden jedoch zwei weitere Untersuchungen durchgeführt (28. und 42. Tag). Sollte die Stute innerhalb dieses Zeitraums resorbieren, also die die Trächtigkeit verloren gehen, ist es meisten noch gut möglich, die Stute in der selben Zuchtsaison erneut zu belegen. Ab der 7. Trächtigkeitswoche sinkt das Risiko von Trächtigkeitsverlusten deutlich und die Vorfreude auf das Fohlen darf wachsen.

28. Trächtigkeitstag: Die Frucht mit Herzschlag ist in der Fruchtblase sichtbar.


Weitere Trächtigkeitsuntersuchungen können um den 60. Trächtigkeitstag zur Geschlechtsbestimmung, die in den meisten Fällen jedoch nur eine Spielerei und damit nicht wirklich indiziert ist, als "Herbststutenuntersuchung" im Falle von Decktaxen-Splitting oder Erstattungen auf die Decktaxe bei Nicht-Trächtigkeit bis zu einem festgelegten Termin oder jederzeit bei dem Verdacht auf Komplikationen der Trächtigkeit z.B. bei Vaginalausfluss, Fieber oder vorzeitiger Euteranbildung erfolgen.

78. Trächtigkeitstag: Am Brustkorb des Fohlens ist bereits die Verknöcherung der Rippen erkennbar.


Welche besondere Vorsorge braucht die tragende Stute?

In der Frühträchtigkeit kann die Stute normal gefüttert und gearbeitet werden. Impfungen, Entwurmungen und Routine-Zahnbehandlungen können wie gewohnt durchgeführt werden. Wird die Stute krank, sollte der behandelnde Tierarzt unbedingt über die bestehende Trächtigkeit informiert werden, damit dies bei eventuell nötigen Medikationen beachtet werden kann.

Stuten, die bisher keinen Impfschutz gegen Herpes haben, sollten im 5., 7. und 9. Trächtigkeitsmonat gegen EHV-1 geimpft werden. Eine Infektion mit EHV-1 kann zu Aborten und lebensschwachen Fohlen führen. Auch wenn die Impfung keinen 100-prozentigen Schutz bietet, senkt sie das Risiko, insbesondere bei Impfung des kompletten Bestandes, für diese schweren Komplikationen deutlich. Bei Stuten mit bereits bestehendem Impfschutz sollten die Auffrischungsimpfungen in diesen Zeitraum der Trächtigkeit gelegt werden. Es sollte selbstverständlich sein, dass auch Zuchtstuten gegen Tetanus und Influenza entsprechend der Empfehlungen der StIKo-Vet geimpft sind. Dies dient nicht nur dem Schutz der Stute während der Trächtigkeit und Geburt sondern sorgt auch dafür, dass die Stute über das Kolostrum Antikörper gegen diese Krankheiten an ihr Fohlen weitergeben kann, sodass es ab dem ersten Lebenstag optimal geschützt ist.

Ab dem 9. Trächtigkeitsmonat steigt der Energie- und Eiweißbedarf der tragenden Stute durch die Größenzunahme des Fetus kontinuierlich. Die Zufütterung eines Mischfutters für Zuchtstuten sollte schrittweise begonnen werden, sodass Stute und Fohlen optimal versorgt sind. In aller Regel sind diese Mischfutter auch entsprechend mineralisiert, sodass keine zusätzliche Mineralfuttergabe mehr notwendig ist. Insbesondere ist auf eine erhöhte Kupferzufuhr für eine gesunde Knorpelentwicklung des Fohlens zu achten, da dies nach der Geburt nicht mehr kompensiert werden kann.

Wie lange dauert die Trächtigkeit beim Pferd überhaupt?

Die normale Trächtigkeitsdauer beim Pferd ist sehr variabel, was das Management und die Geburtsüberwachung für den Züchter nicht gerade leicht macht. Durchschnittlich dauert die Trächtigkeit 336 Tage, also etwa 11 Monate, jedoch können auch völlig normale Trächtigkeiten zwischen 320 und 380 Tage - im Extremfall bis 400 Tage  dauern. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Stute die Länge ihrer Trächtigkeit in der Regel selbst "richtig" festlegt und eine verlängerte Trächtigkeit fast nie ein Grund zur Beunruhigung ist. Manche Fohlen brauchen eben etwas länger, bis sie fertig "ausgebrütet" sind.


Februar 2022

Impfung gegen das West-Nil-Virus, Praxisjubiläum und Spendenaktion für Equiwent

Bald ist es wieder soweit: Damit Ihre Pferde und Ponys rechtzeitig vor der kommenden Mückensaison vor dem West-Nil-Virus geschützt sind, sollte die Auffrischungsimpfung bis spätestens Mai erfolgt sein. Auch für diejenigen unter Ihnen, die ihre Pferde und Ponys noch nicht haben impfen lassen, dies aber in Erwägung ziehen, bleibt ausreichend Zeit, den Impfschutz mit der Grundimmunisierung (zwei Impfungen im Abstand von 4-6 Wochen) noch herzustellen. Weiterführende Information zum West-Nil-Virus habe ich hier zum Nachlesen zusammengestellt.

Ich möchte die diesjährigen Impfungen gegen das West-Nil-Virus mit einer Spendenaktion verbinden. Die Pferdepraxis Reinfeld feiert im März ihr 4-jähriges Bestehen. Ich nehme das zum Anlass, von den Einnahmen jeder Impfung gegen das West-Nil-Virus 4 Euro an die Equiwent Hilfsorganisation zu spenden. Der Preis der Impfung für Sie als Pferdebesitzer bleibt gegenüber den Vorjahren unverändert.

Die Equiwent Hilfsoganisation hat es sich seit fast 20 Jahren zur Aufgabe gemacht, das Leben der Arbeitspferde in Rumänien zu verbessern. Dabei arbeitet eine Gemeinschaft aus Tierärzten, Hufschmieden, Tierpflegern und studierten Sozialarbeitern daran, Tierschutz und humanitäre Hilfe zu verbinden, um so mit Entwicklungshilfe und Bildung nicht nur den Tieren sondern auch den Menschen dort den Weg in ein lebenswerteres Leben zu ebnen. Viele tierschutzwidrige Zustände entstehen (im Ausland genauso wie vor unserer Haustür) nämlich nicht aus Bösartigkeit oder mangelnder Tierliebe sondern aus Unwissenheit oder menschlicher Not heraus. 2015 hat der Verein eine modern ausgestattete Pferdeklinik eröffnet, in der inzwischen fünf Tierärzte in Vollzeit arbeiten und alle tierärztlichen Behandlungen für die Pferdehalter kostenlos sind. Wenn man die Berichte von Equiwent liest, wird einem wieder bewusst, wie gut es uns und unseren Tieren geht und wie wenig selbstverständlich das selbst innerhalb Europas ist. Mit dieser Spendenaktion die Arbeit einer solchen Organisation zu unterstützten und Aufmerksamkeit für deren Arbeit zu gewinnen, ist mir eine Herzensangelegenheit.



Ein Fohlen aus meiner Stute - Von der Idee bis zur Bedeckung - mit Podcast

Viele Stutenbesitzer träumen davon, aus ihrer Stute einmal ein Fohlen als Nachwuchspferd zu züchten oder spielen mit dem Gedanken, eine verletzungsbedingte Pause mit einem Fohlen zu überbrücken. Einige Fragen, die von Stutenbesitzern und Neu-Züchtern immer wieder an mich herangetragen werden, möchte ich hier in kompakter Form aufnehmen, um eine Orientierung zu bieten und auch Enttäuschungen oder böse Überraschungen zu vermeiden.

Ist meine Stute als Zuchtstute geeignet?

Zuerst sollte man sich als Stutenbesitzer genau überlegen, was das Zuchtziel sein soll. Will man das Fohlen für sich selbst behalten oder eventuell doch verkaufen? Ist letzteres eine wahrscheinliche Option, sollte man von völlig verrückten Anpaarungen, die außer einem selbst niemand attraktiv findet, absehen. Schließlich soll das geplante Fohlen später eine gute Zukunft in besten Händen haben. Bei Stuten mit großen Exterieurmängeln (Fehlstellungen z.B.) oder schweren Vorerkrankungen, die möglicherweise sogar das reitsportliche Aus für die Stute bedeutet haben, sollte man sich 1. überlegen, ob der Stute die Strapazen einer Trächtigkeit guten Gewissens zuzumuten sind und 2. mit dem Tierarzt darüber sprechen, wie hoch die Gefahr der Vererbung von gesundheitlichen Anfälligkeiten ist. Schließlich ist es nicht sinnvoll, aus einem kranken Reitpferd ein neues, sehr wahrscheinlich nicht langfristig als Reitpferd gesundes Pferd zu züchten. Zu guter Letzt spielt auch das Alter der Stute eine wichtige Rolle für ihre Nutzung als Zuchtstute. Ab einem Alter von 15 Jahren nimmt die Fruchtbarkeit von Stuten deutlich und stetig ab, je älter die Stute also ist, desto geringer ist die Chance, dass sie tragend wird, umso höher ist möglicherweise der Aufwand und außerdem steigt das Risiko für Aborte und Trächtigkeitskomplikationen, die auch für die Stute gefährlich sein können. Dieses Risikos - für die Gesundheit der Stute und auch das eigene Portemonnaie - sollte man sich bewusst sein, bevor man sich entscheidet, mit der eigenen Stute zu züchten.

Welche Voruntersuchungen sind zwingend nötig? Welche weiterführenden Untersuchungen können außerdem sinnvoll sein?

Zunächst einmal ist es wichtig, den Zyklusstatus der Stute zu kennen. Dafür sollte der Besitzer die Stute genau beobachten und sich notieren, wann die Stute rossig war. Normalerweise dauert ein kompletter Zyklus 21 Tage, wobei die Rosse selbst je nach Stute ca. 5 Tage dauert. Je genauer man als Besitzer seine Stute beobachtet und den Tierarzt über den Zyklusstatus informieren kann, desto weniger tierärztliche Untersuchungen sind nötig, um den Zeitpunkt für Probenentnahmen und Besamungen festzulegen.

Ist der Zyklusstatus der Stute unbekannt, kann dieser durch (meist) wiederholte Ultraschalluntersuchungen der Eierstöcke und Gebärmutter durch den Tierarzt bestimmt werden. Bei Stuten mit sehr unregelmäßiger Rosse oder dem Verdacht auf Störungen der Fruchtbarkeit sollte eine gynäkologische Ultraschalluntersuchung vor der Entscheidung zur Zuchtnutzung in jedem Fall durchgeführt werden.

Vor der ersten Besamung oder Bedeckung sollte von jeder Stute eine Tupferprobe aus der Gebärmutter vom Tierarzt entnommen werden und bakteriologisch untersucht werden, da bakteriell bedingte Gebärmutterschleimhautentzündungen die häufigste Ursache dafür sind, dass Stuten nicht aufnehmen. Soll die Stute im Natursprung gedeckt werden, könnte sie mit einer unerkannten Infektion außerdem den Hengst und im schlimmsten Fall weitere von ihm gedeckte Stuten anstecken. Aufgrund dieser erhöhten Infektionsgefahr ist bei der Bedeckung im Natursprung eine Untersuchung auf Beschälseuche (CEM) mittels Klitoristupfer zusätzlich erforderlich. Die Tupferproben sollten innerhalb der Rosse entnommen werden, weil das Ergebnis dann wesentlich aussagekräftiger und die Entnahme für die Stute weniger unangenehm ist. Optimalerweise erfolgt die Tupferprobenentnahme mindestens eine Rosse vor dem geplanten Belegungszeitpunkt, da die Laborergebnisse einige Tage Zeit brauchen und für eine Belegung in der selben Rosse deshalb oft zu spät kommen. So bleibt im Falle einer Infektion noch genug Zeit, die Stute bis zur nächsten Rosse zu behandeln und damit optimale Bedingungen für eine erfolgreiche Belegung zu schaffen.

Bei Stuten, die schon mehrfach nicht aufgenommen haben oder die älter als 15 Jahre sind, können weiterführende Untersuchungen wie die Entnahme einer Uterusbiopsie, also einer Gewebeprobe der Gebärmutterschleimhaut, zur pathohistologischen Untersuchung und damit zur Abschätzung der Erfolgswahrscheinlichkeit einer Bedeckung und nachfolgenden Trächtigkeit oder Spülproben für die bakteriologische Untersuchung sinnvoll sein.

Alle Voruntersuchungen waren in Ordnung - es kann losgehen! Aber wie? Weidehengst, Natursprung oder künstliche Besamung? 

Für welche Art der Belegung man sich entscheidet, hängt vom ausgewählten Hengst, den logistischen Möglichkeiten, der Fruchtbarkeit der Stute und nicht zuletzt den eigenen finanziellen Mitteln ab. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile, die man sorgfältig gegeneinander abwägen sollte.

Weidehengste sind in der heutigen Pferdezucht selten geworden und werden überwiegend in der Islandpferde- und Ponyzucht eingesetzt. Diese Art der Bedeckung kommt dem natürlichen Pferdeverhalten am nächsten, birgt allerdings auch das höchste Verletzungsrisiko für Hengst und Stute, ist weniger hygienisch als andere Methoden und oft ist der genaue Bedeckungszeitpunkt nicht bekannt. Andererseits sind die Trächtigkeitsraten insbesondere bei Problemstuten zum Teil verbessert.

Bei der Bedeckung im Natursprung deckt der Hengst die Stute an der Hand. Das ist nicht immer so romantisch, wie es klingt. Die Stute wird zur Reduzierung der Verletzungsgefahr gefesselt, in manchen Fällen auch mit einer Nasenbremse fixiert oder sogar sediert. Das Verletzungsrisiko durch die Penetration, insbesondere bei ungestümen Hengsten, für die Stute ist nicht zu vernachlässigen. Hygiene und Zeitpunkt sind im Vergleich zur freien Bedeckung auf der Weide besser zu beeinflussen. Bei der Zusammenarbeit mit erfahrenen Hengsthaltern ist durch Abprobieren der Stute am Hengst der optimale Bedeckungszeitpunkt oft auch ohne wiederholte tierärztliche Ultraschalluntersuchungen festzulegen, was Kosten spart.

Am häufigsten ist heutzutage die künstliche Besamung. Hengst und Stute haben also keinen direkten Kontakt, was in vielen Fällen die Logistik sehr erleichtert, da die Stute im Heimatstall oder auf einer nahegelegen Besamungsstation besamt werden kann, auch wenn der gewählte Hengst weit entfernt, möglicherweise sogar im Ausland, stationiert ist. Die künstliche Besamung erfolgt durch den Tierarzt oder Besamungswart und weist von allen Methoden die geringste Verletzungs- und Infektionsgefahr für die Stute auf. In manchen Fällen ist es sinnvoll, den Zeitpunkt des Eisprungs hormonell zu beeinflussen, um die Besamung genauer terminieren zu können.

Frischsamen, Nativsperma, Tiefgefriersperma - Wo ist der Unterschied und warum muss ich das wissen?

In der künstlichen Besamung in der Pferdezucht wird am häufigsten mit konserviertem Frischsamen gearbeitet. Dabei wird der Hengst frisch abgesamt, das Sperma mit einem konservierenden Verdünner aufbereitet und gekühlt per Über-Nacht-Versand dorthin geliefert, wo die Stute besamt werden soll. Je nach Fruchtbarkeit des Hengstes können so sehr hohe Erfolgsraten erreicht werden. Die Stute wird nach Ermessen des Tierarztes vor dem zu erwartenden Eisprung am Ende der Rosse besamt. Dabei hängt die Wahl des optimalen Besamungszeitpunktes vom individuellen Zyklusverhalten der Stute und der Erfahrung des Tierarztes, den Zeitpunkt der Ovulation (Eisprung) abzuschätzen ab. Je nach Qualität und Langlebigkeit der Spermien des Hengstes und dem Zyklusverlauf der Stute, wird die Stute eventuell auch mehrfach in einer Rosse besamt.

Wird die Stute auf der selben Station besamt, auf der auch der Hengst stationiert ist, kann auch mit Nativsamen gearbeitet werden. Dabei wird der Hengst wie üblich abgesamt, das Sperma wird jedoch nicht verdünnt und die Stute direkt damit besamt. Diese Methode ist aufgrund der kurzen Überlebensdauer equiner Spermien ohne zusätzliche Konservierung nur möglich, wenn die Besamung innerhalb einer Stunde nach Entnahme des Spermas erfolgt. Durch den Verzicht auf Zusatzstoffe wird diese Methode von Problemstuten in manchen Fällen besser vertragen. Sie kombiniert so Vorteile von Natursprung (kein Verdünner, sehr frisches Sperma) und künstlicher Besamung (niedrigeres Verletzungs- und Infektionsrisiko), bildet aber aufgrund des höheren Transportaufwands für die Stute eine Ausnahme in der heutigen Zucht.

Viele gefragte Deckhengste sind heute parallel im Sport aktiv und deshalb während der Zuchtsaison nicht verfügbar, sodass sie über Tiefgefriersamen angeboten werden, der außerhalb der Sportsaison gewonnen werden kann. Außerdem ist es so möglich, Hengste zu nutzen, die längst nicht mehr leben, kastriert wurden oder im weiter entfernten Ausland stationiert sind. Da aufgetaute, vorher tiefgefrorene Spermien nach der Besamung eine verkürzte Lebensdauer haben und eine Portion Tiefgefriersamen häufig nicht gerade kostengünstig ist, stellt diese Verwendung besondere Herausforderungen an den besamenden Tierarzt. In der Regel erfolgt die Besamung kurz nach der Ovulation, damit nur einmalig besamt werden muss. Da die Eizelle nach dem Eisprung jedoch nur sechs bis acht Stunden befruchtungsfähig ist, müssen die Stuten mehrfach am Tag mittels Ultraschall untersucht werden, um den Ovulationszeitpunkt zu ermitteln. Um die Untersuchungsfrequenz zu reduzieren, wird hier auch häufiger zu Hormonbehandlungen gegriffen, um den Eisprung besser terminieren zu können. Der tierärztliche Aufwand für die Besamung mit Tiefgefriersperma ist also erheblich und in aller Regel nur auf einer Besamungsstation, auf der die Stute für diesen Zeitraum eingestellt wird, zu realisieren. Darüberhinaus erfordert die Lagerung von Tiefgefriersamen in flüssigem Stickstoff besondere Infrastruktur, die in der üblichen Fahrpraxis schwer zu gewährleisten ist.  Aufgrund der durch das Einfrieren und Auftauen reduzierten Fruchtbarkeit der Spermien, ist die Nutzung von Tiefgefriersperma bei älteren oder wenig fruchtbaren Stuten mit deutlich niedrigeren Erfolgsaussichten verbunden als die Nutzung von Frischsamen.

Es ist sehr sinnvoll, bei der Hengstauswahl zu bedenken, in welcher Form der Hengst eingesetzt wird. Denn der tollste Hengst nützt nichts, wenn er nur per Natursprung verfügbar ist, aber am anderen Ende von Deutschland stationiert ist oder die Stute eine reduzierte Fruchtbarkeit hat und der Hengst nur in Form von Tiefgefriersamen mäßiger Qualität verfügbar ist oder wenn die Stute auf jeden Fall im Heimatstall verbleiben soll, dort die Besamung mit Tiefgefriersamen aber einfach nicht umsetzbar ist, da die 3- bis 4-x täglichen Ultraschalluntersuchungen nicht zu gewährleisten sind.

Routinemäßig wird jede Spermaportion vor der Besamung mikroskopisch untersucht, um die Qualität und damit die Erfolgsaussichten der Besamung zu beurteilen. Im Video ist ein qualitativ sehr hochwertiges Sperma mit über 90 Prozent vorwärtsbeweglichen Spermien zu sehen.

Viele nützliche Hinweise und vertiefendes Wissen zum Anhören bietet der neue Podcast der Gesellschaft für Pferdemedizin. In der Episode "Mein erstes Fohlen" informiert Prof. Dr. Karsten Feige von der Tierärztlichen Hochschule Hannover zusammen mit der Reproduktionsmedizinerin Dr. Jutta Sielhorst zum Thema Fohlenplanung, Besamung und Management in der Trächtigkeit. Hier reinhören...


Dezember 2021

Frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr!

Aller guten Dinge sind 3: Das dritte Jahr meiner Pferdepraxis Reinfeld neigt sich nun schon dem Ende entgegen und ich möchte dies zum Anlass nehmen, mich bei Ihnen und Euch herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen und die gute Zusammenarbeit in 2021 zu bedanken.

Ich wünsche Ihnen und Euch, Ihren und Euren Pferden und Ponys schöne, ruhige Weihnachtstage und einen entspannten Rutsch in ein gesundes und frohes neues Jahr.

Vom 24. Dezember bis 2. Januar bin ich für Notfälle erreichbar. Ab dem 3. Januar 2022 sind dann wieder reguläre Termine möglich, Terminanfragen dafür gern per SMS oder Whatsapp senden.

 



Oktober 2021

#HealthForHorses - Kampagne mit vielen Tipps und Informationen rund um die Pferdegesundheit

Seit dem 11. Oktober läuft eine Kampagne zu verschiedenen Themen rund um die Gesundheit unserer Pferde wie Training, Verhalten, Stallmanagement und tierärztlicher Versorgung, die der Weltreiterverband zusammen mit Boehringer Ingelheim ins Leben gerufen hat. In den kommenden 6 Wochen werden in den sozialen Medien und digitalen Kanälen der FEI unter dem Hashtag #HealthForHorses praktische Tipps rund um die Pferdegesundheit geteilt. Ziel ist es, das Wohlbefinden des Partners Pferd zu steigern. Zu finden sind die Inhalte auf YouTube, Instagram und auf der FEI-Website


März 2021

Update zum West-Nil-Virus

In den letzten drei Jahren hat sich das West-Nil-Virus nach und nach in Deutschland etabliert. Die Zahl der erkrankten Pferde stieg jedes Jahr, in 2020 wurde bei 22 Pferden in Deutschland eine West-Nil-Virus-Infektion nachgewiesen. Ich rate allen Pferdebesitzern sich vor Beginn der Sommer- und damit der Mückensaison mit dem Thema zu beschäftigen. Hier dafür die wichtigsten Informationen noch einmal zusammengefasst:

  • Das ursprünglich aus Afrika stammende West-Nil-Virus ist ein Flavivirus, verwandt z.B. mit dem FSME-Virus, das über Stechmücken übertragen wird, weshalb Pferde unabhängig von Rasse, Alter und Nutzung gleichermaßen gefährdet sind.
  • Vögel sind besonders empfänglich und dienen als Virusreservoir. Sticht eine Mücke zuerst einen infizierten Vogel und später ein Pferd oder einen Menschen, können diese ebenfalls infiziert werden. Pferd und Mensch sind für das Virus Fehlwirte, weshalb das Virus nicht von Pferd zu Pferd oder von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
  • Etwa 8% der infizierten Pferde entwickeln zentralnervöse Symptome (z.B. Stolpern, Ataxien, allgemeine Schwäche, Muskelzittern, Lähmungen, Festliegen). Die Sterblichkeitsrate bei klinisch erkrankten Pferden liegt zwischen 30% und 50%. Überleben Pferde die neurologische Verlaufsform, behalten ca. 20% der Patienten Langzeitschäden wie Bewegungs- und Koordinationsstörungen zurück.
  • Medikamente gegen das West-Nil-Virus gibt es nicht, die Therapie kann lediglich symptomatisch erfolgen. Vorbeugen mittels einer Impfung ist deshalb umso wichtiger.
  • Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKOVet) empfiehlt eine Impfung für alle Pferde in betroffenen Regionen oder wenn sie während der Mückensaison dorthin verbracht werden.
  • Es wird angenommen, dass das Virus im Umkreis von 300 Kilometern um einen Nachweis herum in der Vogelpopulation vorkommen und damit auch potienziell auf Pferde übertragen werden kann. Mit nachgewiesenen Fällen in Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern ist damit auch Schleswig-Holstein als Risikogebiet zu betrachten.
  • Die Impfung schützt zuverlässig vor der gefährlichen neurologischen Verlaufsform und ist gut verträglich. Nach einer Grundimmunisierung bestehend aus 2 Impfungen im Abstand von 4 bis 6 Wochen im Frühjahr sind die Pferde für 1 Jahr geschützt. Der Impfschutz muss einmal jährlich vor Beginn der Mückensaison aufgefrischt werden.



Februar 2021 

Grippezeit - Was man über Influenza bei Pferden wissen sollte

Nach Jahren relativer Ruhe sind zuletzt wieder vermehrt Ausbrüche der Equinen Influenza (Pferdegrippe) zu beobachten. Deshalb möchte ich an dieser Stelle kurz die wichtigsten Fragen zum Thema Influenza beantworten.

Wie verläuft eine Grippe beim Pferd?

Die Inkubationszeit ist mit maximal 3 Tagen sehr kurz. In der Regel erkranken viele Pferde eines Bestandes, sofern kein Impfschutz besteht. Die Pferde haben hohes Fieber, sind lethargisch und zeigen einen typischen trockenen Husten, über den das hoch ansteckende Influenza-Virus über große Distanzen als Aerosol übertragen wird. Die Sterblichkeit bei Pferden ist glücklicherweise gering und das Virus nicht auf den Menschen übertragbar.

Wie wird eine Infektion diagnostiziert?

Bei typischen Symptomen oder bei einem bereits bekannten Ausbruchsgeschehen entnimmt der Tierarzt Nasentupfer, aus denen das Virus mittels PCR im Labor im Falle einer Infektion nachgewiesen kann. Die Pferde können schon bis zu zwei Tage vor Symptombeginn bereits Virus ausscheiden, positiv getestet werden und dementsprechend auch andere Pferde anstecken.

Wie wird eine Influenza-Erkrankung behandelt?

Da es sich um eine Virusinfektion handelt, kann beim Pferd ausschließlich symptomatisch mit fiebersenkenden Medikamenten behandelt werden. Vorbeugen ist deshalb umso wichtiger.

Wie kann ich mein Pferd schützen?

Vor einer Infektion und Erkrankung an Equiner Influenza kann man Pferde sehr effektiv mit einer Impfung schützen. Die Ständige Impfkommission (StIKo Vet) empfiehlt die Impfung grundsätzlich für alle Pferde ab einem Alter von 6 Monaten. Nach der Grundimmunisierung, die aus zwei Impfungen im Abstand von 4 bis 6 Wochen und einer dritten Impfung nach 6 Monaten besteht, ist für Turnierpferde ein Impfintervall für die Auffrischungsimpfungen von 6 Monaten (+ max. 21 Tage) einzuhalten. Turnierpferde und andere Pferde, die häufig unterwegs sind und Kontakte zu Pferden aus anderen Beständen haben, benötigen aufgrund ihres höheren Infektionsrisikos einen besonders belastbaren Impfschutz. Für Pferde, die ihren Bestand nicht verlassen und auch für Pferde, die selbst keine Veranstaltungen besuchen, aber mit Turnierpferden zusammen gehalten werden, werden jährliche Wiederholungsimpfungen als ausreichend angesehen. Wichtig ist in jedem Fall, dass ein für die aktuell kursierenden Virusstämme wirksamer Impfstoff verwendet wird, da Influenza-Viren sich leicht verändern können und veraltete Impfstoffe zu keinem ausreichenden Schutz führen.

Die Empfehlungen zur Influenza-Impfung von Kontaktpferden der StIKo Vet finden Sie hier und die generellen Impfempfehlungen für Pferde, nicht nur gegen Influenza, hier. Die Vorgaben zum Influenza-Impfschutz bei Turnierpferden können Sie hier nachlesen. Bei Fragen kontaktieren Sie mich gern.


November 2020

Aktualisierte Leitlinien zum Tierschutz im Pferdesport jetzt verfügbar

Nach langem und zähem Ringen sind die neuen Leitlinien zum Tierschutz im Pferdesport nun endlich verabschiedet und ersetzen die Fassung aus dem Jahr 1992. Herausgekommen ist eine sehr umfassende Orientierung für alle, die sich sportlich mit Pferden beschäftigen, ob als Freizeitpartner oder im Profi-Bereich. Insbesondere die sehr unterschiedlichen Interessen der verschiedenen Disziplinen sind der Grund, weshalb es so lange gedauert hat, bis eine Version gefunden war, mit der alle gleichermaßen leben können.

Denn machen wir uns nichts vor: Ein Pferd bleibt ein Pferd, ob es nun ein Rennpferd, ein Dressurpferd oder ein Westernpferd ist. Sie alle haben die gleichen Grundbedürfnisse, denen wir als verantwortliche Personen im Laufe ihres Lebens gerecht werden müssen.

Ein besonderer Streitpunkt, der in Zukunft für einige Veränderungen im Pferdesport und bei Zuchtveranstaltungen sorgen wird, betrifft den Zeitpunkt des Ausbildungsbeginns von Jungpferden. Erstmalig gibt es dazu nun eine konkrete Angabe, was als tierschutzkonform angesehen wird und was eben nicht. Demnach darf die zielgerichtete Ausbildung zum vorgesehenen Nutzungszweck nicht früher als im Alter von 30 Monaten, also mit 2 1/2 Jahren, begonnen werden. Ausgenommen sind unter strengen Regeln nur Trab- und Galopprennpferde.

Die ganze Leitlinie zum Nachlesen finden Sie hier und auch in der Rubrik "Downloads", in der außerdem noch weitere nützliche Dokumente für Sie bereitstehen.


Oktober 2020

West-Nil-Virus in Deutschland - Erster Fall bei einem Pferd in Niedersachsen bestätigt

In den letzten beiden Jahren hat sich das West-Nil-Virus in Deutschland etabliert. Bisher war hauptsächlich Ostdeutschland betroffen. Nun zeigte jedoch ein Pferd aus Niedersachsen Symptome der gefährlichen neurologischen Verlaufsform der Erkrankung und bestätigte damit die Ausbreitungstendenz des Virus in Deutschland. Das Friedrich-Löffler-Institut rät allen Pferdebesitzern zur Beachtung der Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommision Veterinärmedizin (StIKo Vet). Den Link zum vollständigen Artikel finden Sie hier und die Impfempfehlungen der StIKo Vet hier. Weitere Hintergrundinformationen zum West-Nil-Virus habe ich hier auf der Homepage in der Vergangenheit schon zusammengestellt, dafür bitte einfach weiter nach unten scrollen.


September 2020

EOTRH: Wenn die Schneidezähne schmerzen

Anhand des folgenden Fallberichts möchte ich eine verbreitete Zahnerkrankung mit einem komplizierten Namen in den Fokus rücken: EOTRH, kurz für Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis, was in etwa soviel heißt wie Zahnauflösung und Zahnzementzubildung beim Pferd. Die EOTRH ist eine entzündliche Erkrankung der Schneidezähne, seltener auch der Eckzähne. Mit zunehmendem Alter steigt das Erkrankungsrisiko, jedoch zeigt dieses Fallbeispiel einer 17-jährigen Friesen-Mix-Stute, dass nicht nur geriatrische Pferde betroffen sind. Grundsätzlich können Pferde jeder Rasse an EOTRH erkranken, Islandpferde leiden jedoch überdurchschnittlich oft daran.

Woran erkennt man EOTRH und was passiert dabei überhaupt?

Zu Beginn sind die Symptome nur dezent. Meist beginnt die EOTRH an den äußeren Schneidezähnen, oft zuerst im Oberkiefer. Um die Wurzeln herum bilden sich Auftreibungen, die durch die krankhafte übermäßige Zubildung von Zahnzement entstehen, das Zahnfleisch kann sich zurückziehen oder gerötet sein. Oft haben die Pferde sehr viel Zahnstein. Im weiteren Verlauf kann es durch die eitrige Entzündung der Zahnwurzeln zur Fistelbildung, erkennbar durch "Eiterpickel" rund um die Zahnwurzeln im Zahnfleisch, kommen. Die EOTRH verursacht große Schmerzen, die die Pferde (wie bei vielen anderen Zahnerkrankungen auch) jedoch oft erst sehr spät zeigen, indem sie sich beim Auftrensen widersetzen, Möhren und hartes Brot nicht mehr gut abbeißen können oder insgesamt schlecht fressen und deshalb auch an Gewicht verlieren können. Erste Schmerzzeichen sind oft auch schon im frühen Stadium bei der gründlichen Untersuchung der Schneidezähne durch den Tierarzt und bei Korrekturen während der Zahnbehandlung festzustellen. Bei manchen Pferden fallen die erkrankten Zähne aus, wackeln oder brechen ab.

Die hier vorgestellte 17-jährige Stute "Sunny" ließ sich schlecht auftrensen, hatte in der Vergangenheit zwei Schneidezähne verloren und nun machte ein benachbarter Zahn erkennbar Probleme.

Weit fortgeschrittene EOTRH mit Zementzubildungen im Bereich der Zahnwurzeln, Entzündung des Zahnfleischs, Positionsveränderung der Zähne und teilweise freiliegenden Zahnwurzeln bei einer 17-jährigen Friesen-Mix-Stute.


Wie wird die Diagnose gestellt?

Die EOTRH ist eine Zahnerkrankung mit einem sehr typischen klinischen Bild, weshalb die Diagnose in den allermeisten Fällen durch die klinische Untersuchung des Tierarztes gestellt werden kann. Bei Verdachtsfällen im sehr frühen Stadium können Röntgenbilder nötig sein.

Wie wird ein Pferd mit EOTRH behandelt?

Zunächst muss man sich bei der Planung der Behandlung bewusst machen, dass es sich bei der EOTRH um eine eitrige Wurzelentzündung meist mehrerer Zähne mit massiven Umbauprozessen handelt, weshalb die Erkrankung sehr schmerzhaft ist, auch wenn das Fluchttier Pferd uns dies nicht immer offensichtlich zeigt. Da die Ursache der EOTRH bisher nicht genau bekannt und dementsprechend nicht behandelbar ist, ist die einzige Methode, den Patienten langfristig von seinen Schmerzen zu befreien, die Extraktion, also das Ziehen der betroffenen Zähne. Diese Operation kann in aller Regel am stehend sedierten Pferd unter Leitungsanästhesie im Heimatstall durchgeführt werden.

Wird die EOTRH im frühen Stadium erkannt, kann eine starke Kürzung der Schneidezähne zur Druckentlastung der Zahnwurzeln den Verlauf verlangsamen. Entzündungshemmende, schmerzlindernde und antibiotische Medikamente bringen nur vorübergehend eine Besserung und werden von mir deshalb zwar in Vorbereitung einer Operation eingesetzt, stellen jedoch keine sinnvolle Alternative zur Zahnextraktion dar.

Die Zähne der Stute "Sunny" mit teilweise aufgelösten, brüchigen Wurzeln und bis in den Wurzelkanal hineinreichender Entzündung nach der vollständigen Entfernung.


Und wie kommt ein Pferd danach ohne Schneidezähne überhaupt klar?

Nach meiner Erfahrung fühlen sich die Pferde nach der Entfernung der schmerzenden Zähne trotz der durch die Operation entstandenen Wunden in aller Regel sofort besser. Wenn sie aus der Sedierung wieder ganz wach sind, fangen sie meistens unmittelbar an, mit Appetit zu fressen. Das Zermahlen des Futters - ganz gleich ob Heu, Gras, Kraftfutter, Möhren oder Obst - erledigen beim Pferd von Natur aus die Backenzähne. Lediglich beim Abzupfen von Gras und beim Abbeißen von Möhren und ähnlichem müssen sich die Pferde ohne Schneidezähne etwas umstellen und stattdessen die Lippen benutzen. Viele der an EOTRH erkrankten Pferde haben darin allerdings auch vor der Zahnextraktion schon Übung, da sie die schmerzenden Schneidezähne bereits kaum noch benutzt haben.

Die Operationswunden im Zahnfleisch heilen in wenigen Wochen vollständig ab. Da die Schneidezähne fehlen, hängt vielen Pferden nach der Operation im entspannten Zustand die Zunge etwas aus dem Maul heraus, was jedoch aus meiner Sicht ein für die langfristige Schmerzfreiheit allemal zu ertragender "Schönheitsfehler" ist.

Sechs Wochen nach der Operation ist das Zahnfleisch vollständig abgeheilt. Die Stute frisst völlig normal und lässt sich wieder problemlos auftrensen, nur die herausgestreckte Zunge erinnert von außen an die fehlenden Schneidezähne.


Wenn Sie Fragen zur Zahngesundheit Ihres Pferdes haben, kontaktieren Sie mich gern telefonisch.



Ein unfreiwilliges Schlammbad und eine aufwendige Rettung

Zum Glück sind solche Einsätze selten, aber wenn sie so enden wie dieser, dann sind es genau die Tage, an denen man später sagen kann: "Heute war ein guter Tag.", weil man ein Leben retten und richtig etwas bewegen konnte.

An einem ruhigen Mittwochmorgen wurde ich zu einem Notfall gerufen. Ein 23jähriger Holsteinerwallach war festliegend in einem Schlammloch gefunden worden. Auf der Koppel muss er in der eigentlich flachen Pfütze ausgerutscht sein und kam dann auf dem schlammigen Boden nicht mehr aus eigener Kraft wieder auf die Füße, sondern versackte immer weiter tiefer im Morast. Ich traf zeitgleich mit der Feuerwehr am Ort des Geschehens ein.

Der Wallach war erstaunlich ruhig, was die Rettung einerseits erleichterte, ist er doch sonst eher ein gegenüber Tierärzten, Männern und Menschen im Allgemeinen sehr skeptisches Pferd, andererseits aber auch zeigte, in welch geschwächtem Zustand er bereits war. "Fehmarn" war unterkühlt und befand sich im Kreislaufschock, lag aber zum Glück in einer Position, in der ich ihn sofort über einen Venenkatheter mit Infusionen und Medikamenten zur Kreislaufstabilisierung versorgen konnte. Ein Feuerwehrmann stieg zu ihm in den Morast, der ihm bis über die Hüfte reichte und platzierte drei Schläuche unter Hals, Brust und Bauch des mit 1,75m Stockmaß und 700kg Körpergewicht sehr großen und schweren Pferdes. Zum Glück ließ der Wallach die Prozedur sehr kooperativ über sich ergehen. Um das Verletzungsrisiko für Mensch und Pferd zu reduzieren, sedierte ich ihn für die eigentliche Rettung. 16 Feuerwehrleute zogen ihn schließlich mit vollem Körpereinsatz vorsichtig aus dem Schlammloch heraus auf festen Boden. Als der große Kerl nach weiterer Infusionstherapie nach etwa eineinhalb Stunden im zweiten Aufstehversuch wieder auf seinen Füßen stand, fiel uns allen ein großer Stein vom Herzen. 

Jedoch ist es bei solchen Unfällen damit allein noch nicht getan. Durch die Unterkühlung, die Anstrengung durch erfolglose Befreiungsversuche und die daraus resultierende Kreislaufschwäche, können Muskelschäden entstehen, die im schlimmsten Fall in ein lebensbedrohliches Nierenversagen münden können. "Fehmarn" wurde deshalb im Anschluss zunächst geführt, aufgewärmt und dann vorsichtig wieder angefüttert. Im weiteren Verlauf erfolgten engmaschige Kontrollen und ein paar Tage später kann ich nun guten Gewissens sagen: Er hat es geschafft! Vielen Dank an die beteiligten Feuerwehrleute für die großartige Zusammenarbeit.

Über den Einsatz berichteten die Online-Ausgabe von HL-Live und die Lübecker Nachrichten in der Ausgabe vom 10.9.2020.

von oben links nach unten rechts: Auffindesituation des festliegenden, entkräfteten und unterkühlten Pferdes im Schlammloch, Platzierung von Schläuchen um den Pferdekörper zur Rettung durch die Feuerwehr, Aufwärmen des geretteten Pferdes mit Decken und weitere Infusionstherapie zur Kreislaufstabilisierung.




 

Der 23jährige Holsteinerwallach "Fehmarn" einige Stunden nach der Rettungsaktion bei der Nachuntersuchung bereits wieder bei gutem Allgemeinbefinden und den Umständen entsprechend fit.


Juli 2020

Dokumentation "Pferde!" mit Beitrag über meinen Tierarztalltag online

Im Sommer 2017 hat mich, damals noch in Hamburg, ein Fernsehteam zu einem meiner Patienten begleitet. Die Doku "Pferde!" von TIERWELT live zeigt neben der tierärztlichen Arbeit auch den Alltag eines Freizeitpferdes und die Vollblüter des Gestüts IDEE. Folge 4 mit mir seht ihr hier.

 

April 2020

Ein Pferd namens "Magic" - Wunder gibt es manchmal doch

Passend zu Ostern möchte ich wieder einmal eine meiner Patientinnen vorstellen, deren Geschichte ein kleines Wunder ist - Magic eben. Magic ist eine heute 23 Jahre alte Warmblutstute, die nach ihrer Sportpferdekarriere aussortiert wurde und einen Rentnerplatz gefunden hatte. Leider entpuppte dieser sich als Albtraum und im August 2019 wurde Magic von der Tierschutzorganisation Lonsis Herzbewohner in Obhut genommen. Wie auf dem Foto zu erkennen, war sie zu diesem Zeitpunkt völlig abgemagert und geschwächt. Kurz nach ihrer Ankunft erlitt sie eine Kolik mit starker Kreislaufschwäche.

Magic im Sommer 2019 - hochgradig abgemagert und geschwächt. Eine Zahnsanierung war dringend nötig. Fotos: Manuela Friedrich

Als ich Magic Anfang September kennenlernte, war sie klapperdürr, aber in ihren Augen blitzte noch der Lebenswille. Die weitere Untersuchung ergab einen katastrophalen Zustand der wenigen noch verbliebenen Backenzähne. Eine Zahnbehandlung sollte retten, was noch zu retten war. Jedoch stellte ich außerdem mittel- bis hochgradige Herzgeräusche, das sind pathologische Strömungsgeräusche die durch undichte Herzklappen entstehen, auf beiden Seiten fest. Die für die Zahnbehandlung notwendige Sedierung wurde zum Risiko für die geschwächte Stute. Wir beschlossen den Herzgeräuschen zunächst auf den Grund zu gehen. Eine Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens) ergab eine hochgradige Mitralklappeninsuffizienz - die wichtigste Klappe des Herzens zwischen linkem Vorhof und linker Kammer war stark verdickt und so undicht, dass das Blut sich in den Vorhof zurückstaute und dieser bereits dilatiert, also "ausgeleiert" war. Auch die Trikuspidalklappe im rechten Herz war mittelgradig undicht und Aorten- und Pulmonalklappe schlossen ebenfalls nicht optimal. Kurzum: Magic hatte mehrere schwere Herzklappeninsuffizienzen, die ihr Herz kaum noch kompensieren konnte. Doch wo bleibt jetzt das Wunder? Das Wunder wurde ermöglicht von Louisa Engelmann, die sich liebevoll um Magic kümmerte, sie mit Unmengen an Heucobs, Rübenschnitzeln, Senior-Müsli usw. Schritt für Schritt aufpäppelte. Gegen die Auswirkungen der Herzinsuffizienz benötigt Magic dauerhaft Medikamente, die ihre Lebensqualität deutlich verbessert haben. Es ist ein hoher Aufwand, den Manu Friedrich von Lonsis Herzbewohner betreibt, um diese zweite Chance für eine zwar alte, aber zähe und lebensfrohe Stute möglich zu machen.

Und jetzt kommen Sie ins Spiel: Magic sucht langfristige Paten, die monatlich dazu beitragen können und wollen, dass sie nun einen schönen Lebensabend verbringen kann, denn die gemeinnützige Lonsis Herzbewohner Stiftung finanziert sich aus Spenden. Wie toll Magic sich in nur einem halben Jahr erholt hat, zeigen die Bilder besser, als Worte es beschreiben könnten. Ich würde mich freuen, wenn wir zusammen etwas dazu beitragen können, dass sie es noch lange so gut hat.

Magic im Jahr 2020 - Bilder sagen mehr als tausend Worte. Danke an Louisa Engelmann für die hervorragende Pflege und die Fotos!



Februar 2020

West-Nil-Virus etabliert sich in Deutschland - Was Sie jetzt wissen sollten

In den letzten beiden Jahren hat sich das West-Nil-Virus nach und nach in Deutschland etabliert und ich rate allen Pferdebesitzern sich vor Beginn der Sommer- und damit der Mückensaison einmal mit dem Thema zu beschäftigen. Hier dafür die wichtigsten Informationen in Kurzform.

Was ist das West-Nil-Virus? Das West-Nil-Virus ist ein Flavivirus, verwandt z.B. mit dem FSME-Virus, das ursprünglich aus Afrika stammt. Es wird über Stechmücken übertragen und infiziert in erster Linie Vögel, die je nach Art schwer bis gar nicht erkranken und als Reservoirwirte fungieren. Pferde und Menschen sind ebenfalls für das Virus empfänglich, sind aus Sicht des Virus aber Fehlwirte, in denen es sich weniger stark vermehrt und deshalb nicht von Pferd zu Pferd oder von Pferd zu Mensch übertragen werden kann.

Welche Symptome sind zu erwarten und wie gefährlich ist eine Infektion? Etwa 10 Prozent der Pferde, die mit dem West-Nil-Virus infiziert werden, erkranken an der neurologischen Form des West-Nil-Fiebers mit Muskelzittern, Bewegungsstörungen, Verhaltensänderungen und Hinterhandlähmungen bis hin zum Festliegen. 30 bis 50 Prozent der an der neurologischen Form erkrankten Pferde sterben. Die Therapie kann ausschließlich symptomatisch erfolgen, dementsprechend begrenzt sind die Möglichkeiten, einem erkrankten Pferd zu helfen. Überleben die Pferde das West-Nil-Fieber ist bei etwa 20 Prozent der Pferde mit bleibenden Schäden, wie z.B. Bewegungsstörungen zu rechnen.

Wie groß ist die Infektionsgefahr in Norddeutschland? Im Jahr 2019 wurde das Virus bei 75 toten Wildvögeln nachgewiesen, unter anderem in Hamburg und Rostock. Im Osten Deutschlands erkrankten 36 Pferde. Bei Menschen gab es 5 klinische Fälle in 2019. Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) als nationales Referenzlabor geht davon aus, dass das Virus im Umkreis von 300 Kilometern um einen Nachweis herum vorkommen kann. Insbesondere sind dabei die Nachweise bei Vögeln entscheidend, da das Virus sich in ihnen in großen Mengen vermehrt. Mit den nachgewiesenen Fällen in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern ist dementsprechend auch Schleswig-Holstein als Endemiegebiet zu behandeln. Das Virus hat in den letzten Jahren erfolgreich in Mücken in Deutschland überwintert. Die Experten gehen davon aus, dass hohe Temperaturen und milde Winter eine weitere Ausbreitung des Virus begünstigen.

Was kann man tun, um sein Pferd zu schützen? Den zuverlässigsten und wirksamsten Schutz vor schweren Verlaufsformen des West-Nil-Fiebers bietet eine prophylaktische Impfung. Diese wird von den Experten der StIKO Vet für alle Pferde in den betroffenen Regionen empfohlen oder auch dann, wenn Pferde im Sommer in betroffene Regionen verbracht werden (z.B. zu Veranstaltungen). Es sind mehrere gut verträgliche, zuverlässig schützende Impfstoffe verfügbar. Es erfolgt zunächst eine Grundimmunisierung mit 2 Impfungen im Abstand von 3 bis 6 Wochen im Frühjahr (Abstand je nach Impfstoff), die spätestens bis zum Beginn der Mückensaison Ende Mai abgeschlossen sein sollte, um im Sommer, wenn die größte Ansteckungsgefahr besteht, die höchsten Antikörpertiter zu erreichen. Die Auffrischungsimpfung erfolgt einmal jährlich im Frühjahr.

Wer sich noch weiter über das West-Nil-Virus informieren möchte, dem sei ein kostenloses Webinar mit Frau Prof. Lohmann von der Pferdeklinik der Uni Leipzig am 17.3.2020 von 20.00 bis 21.30 Uhr empfohlen, zu dem Sie sich hier anmelden können: https://www.pferd-aktuell.de/eticketing/webinar/17-03-2020/west-nil-virus/658

Weitere Informationen zum Nachlesen:

Bei Fragen zum West-Nil-Virus und zur Impfung oder wenn Sie eine Info-Veranstaltung in Ihrem Reitstall dazu wünschen, kontaktieren Sie mich gern.



Änderung der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) für den Notdienst - Was sich ändert und warum

Einige Pferdebesitzer werden es schon schmerzlich erfahren haben: Immer mehr Tierarztpraxen gewährleisten keinen zuverlässigen Notdienst mehr. Und so steht man da, mit dem kolikenden oder verletzten Pferd und erreicht keinen Tierarzt oder der einzige Kollege, der im Dienst ist, ist leider gerade ganz woanders bei einem anderen Notfall. Das ist furchtbar für alle Beteiligten - für den sorgenvollen Besitzer, den Tierarzt, der sich nicht zerteilen kann und von einem Notfall zum anderen hetzt und in aller erster Linie natürlich für das kranke Pferd, das möglicherweise sehr lange auf Hilfe warten muss.

Der Hintergrund ist das neue Arbeitszeitgesetz, das (wenig überraschend) auch für Tierärzte uneingeschränkt gilt und (richtigerweise) vom Gesetzgeber auch konsequent durchgesetzt wird. Es war bislang üblich, dass angestellte Tierärzte, die Notdienste leisten mussten, dafür in vielen Fällen weder eine ausreichende Bezahlung noch einen Freizeitausgleich erhalten haben. Von eingehaltenen Ruhezeiten, Nacht- und Wochenendzuschlägen, wie in (fast) jeder Branche selbstverständlich, will ich gar nicht erst sprechen. Dies waren unhaltbare Zustände, die junge Kolleginnen und Kollegen immer mehr von der Arbeit in der Praxis abschrecken und die nun zum Glück nach und nach ein Ende haben sollen. Seitdem das Arbeitszeitgesetz auch in Tierarztpraxen und -kliniken auf Einhaltung überprüft und Verstöße mit hohen Strafen geahndet werden, wird wesentlich mehr Personal für die Abdeckung des Notdienstes benötigt, das wiederherum bezahlt werden muss.

Es musste also dringend etwas passieren. Das Ergebnis ist eine Novelle der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) für den Notdienst, deren Ziel es ist, einen flächendeckenden, zuverlässigen tierärztlichen Notdienst für Tierärzte wieder bezahlbar und attraktiv zu machen.

Zusammenfassend ergibt sich aus der Verordnung für den Notdienst Folgendes: 

  • eine generelle Notdienstgebühr in Höhe von 50 Euro einmalig pro Besuch
  • tierärztliche Leistungen müssen im Notdienst mindestens mit dem 2-fachen Gebührensatz und können je nach Aufwand bis zum 4-fachen Gebührensatz abgerechnet werden
  • als Notdienst gelten Besuche in der Zeit von 18 Uhr bis 8 Uhr montags bis freitags sowie am Wochenende (Freitag 18 Uhr bis Montag 8 Uhr) und an Feiertagen (0 Uhr bis 24 Uhr).

Wichtig: Planmäßige Termine und Sprechzeiten am Abend, frühmorgens oder am Wochenende sind von der neuen Regelung nicht betroffen. Dies betrifft in meiner Praxis insbesondere den Samstagvormittag. Künstliche Besamungen sind von der Regelung grundsätzlich ausgenommen.

Darüberhinaus wird das Wegegeld auf 3,50 Euro je Doppelkilometer erhöht, mindestens jedoch 13 Euro pro Besuch. Selbstverständlich wird dies weiterhin bei mehreren Patienten im Stall oder zumindest an einem Weg anteilig berechnet.

Bitte beachten Sie, dass diese Verordnung keine unverbindliche Preisempfehlung, sondern für Tierärzte rechtlich bindend ist und Unterschreitungen der Gebührensätze berufsrechtlich bestraft werden können. Nähere Informationen finden Sie hier auch als Download: Informationen für Patientenbesitzer der BundestierärztekammerGebührenordnung für Tierärzte (GOT). 

Bei Fragen kontaktieren Sie mich gern.



Januar 2020

 Leipziger Tierärztekongress - Vertretungsregelung vom 15. bis 18. Januar

Um immer auf dem neusten Stand der Entwicklungen in der Tiermedizin zu sein, mich mit Kollegen auszutauschen und somit Ihren Pferden und Ponys die bestmögliche Betreuung bieten zu können, besuche ich vom 15. bis 18. Januar den 10. Leipziger Tierärztekongress.

In dringenden Fällen wenden Sie sich während meiner Abwesenheit bitte telefonisch wie gewohnt an die Kollegin Anke Rüsbüldt unter 01729101478

Für weniger dringende Fragen und Terminwünsche ab dem 19. Januar bin ich wie gewohnt per SMS oder Whatsapp erreichbar.


Dezember 2019

Fröhliche Weihnachten und ein gesundes neues Jahr!

Das zweite Jahr meiner Pferdepraxis in Reinfeld neigt sich dem Ende entgegen und ich möchte Ihnen und Euch herzlich danken für das Vertrauen und die gute Zusammenarbeit in 2019.

Ich wünsche Ihnen und Euch, Ihren und Euren Pferden und Ponys fröhliche Weihnachtstage und einen entspannten Rutsch in ein gesundes, glückliches Jahr 2020.

Für Notfälle bin ich auch über die Feiertage zu erreichen.

Foto: Melina Plötz (www.melinas-fotografie.com)


November 2019

Neue wissenschaftliche Empfehlungen zur Entwurmung von Pferden veröffentlicht

Der ESCCAP (= European Scientific Counsel Companion Animal Parasites), also das wissenschaftliche Gremium in Europa zur Erforschung und Bekämpfung von Parasiten bei Haustieren, hat neue Empfehlungen zur Entwurmung von Pferden erarbeitet, die hier zum Download bereitstehen.

In den letzten Jahren hat es viel Verwirrung um das Für und Wider von selektiver und strategischer Entwurmung, Kotprobenuntersuchungen, Resistenzen und vermeintlich "starke" und "schwache" Wirkstoffe gegeben. Die neuen Empfehlungen dienen Tierärzten und Pferdebesitzern gleichermaßen zur Orientierung auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, um unsere Pferde so gesund wie möglich zu erhalten.

Wenn Sie Fragen haben, welches Entwurmungsregime für Ihr Pferd bzw. Ihren Pferdebestand das richtige ist, welcher Wirkstoff zu welcher Jahreszeit am sinnvollsten ist oder bei anderen Fragen zum Thema Parasiten, kontaktieren Sie mich gern.

Eins gilt in jedem Fall für alle Pferde gleichermaßen: Jetzt ist es Zeit für eine Wurmkur, damit die Pferde mit möglichst niedrigem Wurmbefall in den Winter gehen.


September 2019

Update zum West-Nil-Virus

Um Panik und gefährliches Halbwissen zu vermeiden, hier ein paar aktuelle Fakten zur Situation in Bezug auf das West-Nil-Virus in Kurzform: 

  • In 2019 gab es bis jetzt elf nachgewiesene Fälle von WNV-Infektionen bei Pferden in Sachsen und Sachsen-Anhalt, zwei Pferde starben.
  • Kürzlich wurde das WNV bei einem toten Wildvogel in Hamburg nachgewiesen und hat damit Norddeutschland erreicht.
  • In Leipzig erkrankte in 2019 ein Mensch nach einem Mückenstich.

Was bedeutet das nun für Pferdebesitzer im Norden? 

Offenbar hat das Virus erfolgreich in Deutschland überwintert und breitet sich in der Vogel- und Mückenpopulation aus. Auch wenn bisher keine Pferde in Norddeutschland erkrankt sind, ist nach Erfahrungen z.B. aus den USA nach der dortigen Einschleppung des Virus zu erwarten, dass sich das Virus relativ schnell etablieren wird. Es sind zugelassene und erprobte Impfstoffe verfügbar, mit denen schweren Verlaufsformen vorgebeugt werden kann. Wichtig: Um den bestmöglichen Schutz durch zur richtigen Zeit höchste Antikörpertiter zu erreichen, ist eine Impfung im Frühjahr vor Beginn der Mückensaison am sinnvollsten. Es ist also NICHT ratsam jetzt panisch drauf los impfen zu lassen. Für die wenigen verbleibenden Wochen mit stechenden Insekten kann das Infektionsrisiko für Pferde mit wirksamen Repellentien (erhältlich beim Tierarzt) gesenkt werden.

Wer sein Pferd in Zukunft wirksam vor dem WNV schützen möchte, dem sei folgendes Impfregime empfohlen:

  • Grundimmunisierung mit 2 Impfungen im Abstand von 4 bis 6 Wochen im Frühjahr 2020, abgeschlossen mit spätestens Ende Mai
  • danach jährliche Auffrischungsimpfung im Frühjahr

Weitere Details zum West-Nil-Virus finden Sie hier auf der Homepage unter Aktuelles (September 2018 und August 2019). Bei Fragen rufen Sie mich gerne an.


August 2019

Update zum West-Nil-Virus: Pony stirbt in Sachsen an WNV-Infektion

Bereits im vergangenen Jahr gab es in Deutschland die ersten Krankheitsfälle verursacht durch das West-Nil-Virus in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. In 2019 wurde das Virus wiederholt bei Vögeln in Ost- und Mitteldeutschland nachgewiesen. Nun ist in Sachsen ein neunjähriges Pony gestorben, das mit dem West-Nil-Virus infiziert war und zuvor neurologische Symptome mit schwankendem Gang zeigte. Es kam schließlich zum Festliegen, sodass es eingeschläfert werden musste. Nähere Informationen finden Sie unter den folgenden Links:

Sachsen - Pony stirbt an West-Nil-Virus

Sächsische Tierseuchenkasse zu West-Nil-Virus

Wirksamen Schutz gegen schwerwiegende Krankheitsverläufe und Spätfolgen bietet die Impfung gegen das West-Nil-Virus, die zur Zeit zumindest für Pferde in den bereits betroffenen Regionen und Pferde, die in die betroffenen Gebiete verbracht werden von der Ständigen Impfkommission (StIKo Vet) empfohlen wird. Nähere Informationen finden Sie hier.

Bei Fragen zum West-Nil-Virus und zur Impfung dagegen kontaktieren Sie mich gern.


Juli 2019

Neuer wissenschaftlicher Fallbericht veröffentlicht

Manchmal macht Not erfinderisch und man muss neue Wege gehen, um das scheinbar Unmögliche zu schaffen. So war es auch im Falle eines Kaltblutwallachs, der auf seiner Koppel aus vollem Galopp mit einem Apfelbaum kollidiert war und sich dabei lebensbedrohliche innere Blutungen zugezogen hatte.
Ich gehörte vor einigen Jahren zum Team der Tierärzte, die diesen Patienten in der Medizinischen Tierklinik der Universität Leipzig unter der Leitung von Prof. Dr. G.-F. Schusser betreuten und nachdem all unsere klinikeigenen Pferde bereits fleißig Blut gespendet hatten, reichte die Menge bei weitem noch nicht aus, um den "Dicken" aus der kritischen Anämie herauszuholen. Parallel mussten wir große Mengen Blut infolge des Unfalls aus seiner Brusthöhle ablassen, die dort nichts verloren hatten und dann hatte jemand die zündende (und in dem Moment etwas verrückt erscheinende) Idee: Warum sollten wir ihm nicht sein eigenes Blut wieder transfundieren?
So wurde er sein eigener Blutspender und rettete sich quasi selbst das Leben. Den ganzen Fallbericht finden Sie hier.


Aus aktuellem Anlass: Verletzungsrisiko Halsriemen

Die Weidesaison ist in vollem Gange und ich hoffe, dass möglichst viele Pferde viel Zeit auf der Weide genießen können. Aus der Praxis meiner Kollegin Anke Rüsbüldt erreichte mich kürzlich das nebenstehende Foto: Ein Halsriemen, eingeklemmt zwischen Hinterhuf und Eisen. Das Pferd trug auf der Koppel einen Halsriemen anstelle eines Halfters (in dem guten Willen, das Verletzungsrisiko zu verringern). Als es sich mit dem Hinterhuf hinter dem Ohr kratzte, geriet es mit dem Huf in den Halsriemen und dieser klemmte sich zwischen Huf und Eisen so fest ein, dass das Pferd sich nicht mehr selbst befreien konnte. Es kam auf der Koppel mit dem Huf hinter dem Ohr zum Festliegen. Das beherzte Einschreiten des Stallbesitzers, der mit einem Messer den Halsriemen durchschnitt, rettete dem Pferd das Leben. Erst nach Abnahme des Eisens konnte der Halsriemen entfernt werden, so fest war er eingeklemmt.
Glücklicherweise hat das Pferd sich mittlerweile von dem Schock erholt und hat sich auch keine Schäden an der Halswirbelsäule oder dem festhängenden Hinterbein zugezogen, aber es hätte sich schwer bis lebensbedrohlich verletzen können.
Deshalb meine Bitte an alle Pferdebesitzer: Nach Möglichkeit lasst eure Pferde ohne Halfter, Halsriemen oder dergleichen auf die Koppel. Wenn die Pferde aus organisatorischen Gründen Halfter tragen müssen, wählt eins für die Weide, das im Falle eines Unfalls möglichst leicht kaputt geht, damit sich das Pferd befreien kann. Besser ein kaputtes oder verlorenes Halfter als ein verletztes oder gar totes Pferd! Und: Halsriemen sind - wie man sieht - kein bisschen weniger gefährlich als Halfter.
Ich wünsche allen Pferden und Ponys und ihren Menschen einen schönen, langen und verletzungsfreien Weidesommer!

Foto: Anke Rüsbüldt


Juni 2019

Herzliche Glückwünsche zum Sieg im Preis der Pferdepraxis Reinfeld

Im diesjährigen Preis der Pferdepraxis Reinfeld, einer Reitpferdeprüfung für 3- und 4-jährige Pferde und Ponys, siegte der lackschwarze Wallach "Herr Karlsson", vorgestellt von Stefanie Knorr. Noch einmal herzliche Glückwünsche an das Siegerpaar und die weiteren Platzierten!


Turnier des RuFV Zarpen auf Hof Springbek

Vom 14. bis 16. Juni findet wieder einmal das traditionsreiche Turnier auf Hof Springbek statt und wie schon im letzten Jahr freue ich mich, einen kleinen Teil beitragen zu können.

Wie auch im vergangenen Jahr bin ich als Turniertierärztin im Einsatz. Die Vertretung für dringende Notfälle übernimmt wie gewohnt Anke Rüsbüldt, die Sie unter 0172 9101478 telefonisch erreichen.



März 2019

Aus aktuellem Anlass: Umgang mit ansteckenden Pferdekrankheiten

Herpes, Druse, Influenza und andere Infektionskrankheiten versetzen die Reiterwelt immer wieder in Panik. Gemeinsam haben sie, dass sie alle hoch ansteckend sind und sowohl von Pferd zu Pferd, als auch über Menschen, die mit den Pferden in Kontakt sind, übertragen werden können. Diese Erkrankungen sind alle nicht gesetzlich reglementiert, das heißt, dass die Veterinärämter hier weder eine Meldung über einen Ausbruch erhalten noch mit Sperren oder ähnlichen Maßnahmen eingreifen. Somit ist eine genaue Aussage darüber, was wann wo kursiert, nicht möglich.

Deshalb rate ich dazu, nicht auf Gerüchte zu hören sondern sich genau zu informieren, Panikmache zu vermeiden und vor allen Dingen generelle Hygiene im Umgang mit den Pferden zu beachten.

Gute Hilfestellung dazu geben der Hygieneleitfaden der FN und die Hinweise zum Umgang mit nicht gesetzlich geregelten Infektionskrankheiten, die unter den unten stehenden Links heruntergeladen werden können.

Informationen unter anderem über Herpes und Druse könnt ihr und können Sie auch in einem meiner Vorträge nachlesen.

Hygieneleitfaden (pdf)

Hinweise zum Umgang mit nicht gesetzlich geregelten Infektionskrankheiten (pdf)



Equitana-Tagung über Pferdekrankheiten - Vertretungsregelung vom 14. bis 16. März

Um immer auf dem neusten Stand der Entwicklungen in der Pferdemedizin zu sein und somit Ihren Pferden und Ponys die bestmögliche Betreuung bieten zu können, besuche ich vom 14. bis 16. März die Tagung über Pferdekrankheiten auf der Equitana.

In dringenden Fällen wenden Sie sich während meiner Abwesenheit bitte telefonisch an die Praxis von Lars Schulte unter (04533) 61 00 84 oder 0151 50 66 55 55.

Für weniger dringende Fragen und Terminwünsche ab dem 17. März bin ich wie gewohnt per SMS oder Whatsapp erreichbar.


Januar 2019

Ein Notfall und Sie sind nicht erreichbar? Sorgen Sie vor!

Der Besitzer ist im Urlaub und das Pferd plötzlich schwer krank. Der Stallbesitzer, die Urlaubsvertretung, die Reitbeteiligung oder aufmerksame Stallkollegen verständigen vielleicht den Tierarzt.

Aber was dann? Wie soll entschieden werden, ob das Pferd in die Klinik gebracht werden soll oder ob der Besitzer einer Operation zustimmen würde? Welche Kosten kann oder will der Pferdebesitzer maximal tragen? Wäre er damit einverstanden, dass das Pferd eingeschläfert wird, wenn jeder weitere Behandlungsversuch wenig Aussicht auf Erfolg verspricht und das Leiden des Pferdes nur weiter verlängern würde?

All dies sind Fragen, mit denen sich kein Pferdebesitzer gerne beschäftigt. Ein Horror-Szenario für Stallbesitzer und Urlaubsvertretungen, die den Besitzer nicht erreichen können. Natürlich wollen Tierarzt und Stallkollegen helfen, aber was ist, wenn keiner weiß, was der Besitzer für sein Pferd jetzt wollen würde?

Urlaub, Dienstreise, wichtiger Termin, eigene Krankheit, schlicht ein leerer Handy-Akku oder ein hartnäckiges Funkloch - jeder von uns ist manchmal nicht erreichbar. Für solche Fälle ist es ein beruhigendes Gefühl für alle, die mit Pferden umgehen, wenn klar geregelt und am besten schriftlich festgehalten ist, wie im Notfall in Abwesenheit des Besitzers entschieden werden soll.

Unter dem folgenden Link können Sie eine Vollmacht für Notfälle herunterladen, die ausgefüllt und unterschrieben zum Beispiel bei Ihrem Stallbesitzer, der Reitbeteiligung oder an einem leicht zugänglichen Ort (z.B. im Sattelschrank oder im Putzkasten) bei den Sachen Ihres Pferdes im Notfall schnell verfügbar ist - damit jederzeit in Ihrem Sinne und vor allem im Sinne Ihres Pferdes gehandelt werden kann.

 

 

 

 

 

 


Dezember 2018

Fröhliche Weihnachten und ein gesundes neues Jahr!

Das erste Jahr meiner Pferdepraxis in Reinfeld neigt sich dem Ende entgegen und ich möchte Ihnen und Euch herzlich danken für das Vertrauen und die gute Zusammenarbeit in 2018.

Ich wünsche Ihnen und Euch, Ihren und Euren Pferden und Ponys fröhliche Weihnachtstage und einen entspannten Rutsch in ein gesundes, glückliches Jahr 2019.

Für Notfälle bin ich auch über die Feiertage zu erreichen.

 

 

 

 

 


November 2018

Aus traurigem aktuellen Anlass: Atypische Weidemyopathie

An dieser Stelle möchte ich auf eine besonders tückische Krankheit hinweisen: Die Atypische Weidemyopathie. Die Sterblichkeitsrate bei der Atypischen Weidemyopathie ist mit bis zu 90 Prozent sehr hoch, weshalb die Erkrankung sehr ernst genommen werden sollte. 

Besonders jetzt im Herbst wenn es stürmisch wird, finden sich auf vielen Pferdekoppeln Blätter und Samen von Ahornbäumen, die häufig an Wegrändern stehen. Diese enthalten das für Pferde hochgiftige Hypoglycin A, das zu einer Myopathie, also einer Zerstörung der Muskelzellen, führt. Studien haben gezeigt,  dass Pferde auf abgefressenen Koppeln ohne Zufütterung bei kühlen Temperaturen besonders häufig erkranken, sodass in diesem Jahr bei der herrschenden Gras- und Rauhfutterknappheit ein zusätzlich erhöhtes Risiko besteht.

Die Symptome können ähnlich denen einer Kolik mit Schwitzen, Wälzen, Unruhe und Inappetenz und/oder denen eines Kreuzverschlags mit Bewegungsunlust, Steifigkeit und dunkelbraunem Harnabsatz sein. Der Krankheitsverlauf ist bei der Atypischen Weidemyopathie jedoch wesentlich rasanter und schwerwiegender als bei einem "normalen" Kreuzverschlag. Es kommen auch plötzliche Todesfälle durch Atemstillstand und Herzrhythmusstörungen infolge der Vergiftung vor.

Nur wenn die Myopathie frühzeitig erkannt und sofort intensiv behandelt wird, haben die Pferde eine Chance zu überleben. Die Aufnahme von Ahornbestandteilen sollte dringend vermieden werden. Bei knappem Weideaufwuchs empfiehlt es sich, rechtzeitig zuzufüttern und die Pferde bei und nach stürmischem Wetter eventuell aufzustallen.

Weitere Informationen zur Atypischen Weidemyopathie finden Sie auch unter den folgenden Links: Atypische Weidemyopathie TiHo Hannover  und Atypische Weidemyopathie LMU München

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Besonders giftig: Der Bergahorn.




Oktober 2018

West-Nil-Virus erstmals bei Pferden in Deutschland aufgetreten

Im September 2018 wurde das bisher in vor allem in Amerika, Afrika und Südeuropa vorkommende West-Nil-Virus erstmals bei Vögeln im Süden und Osten Deutschlands (u.a. in Mecklenburg-Vorpommern) und zwei Pferden in Brandenburg und Sachsen-Anhalt festgestellt.

Das Virus wird über Stechmücken übertragen und befällt meistens Vögel, seltener jedoch auch Pferde und Menschen. Die Infektion verläuft meist subklinisch. In knapp 10 Prozent der Fälle beim Pferd tritt eine neurologische Verlaufsform auf, bei der die Pferde mit Symptomen wie Stolpern, Lähmungen der Hinterhand, Muskelzittern und Schwäche bis hin zum Festliegen auffallen. Bis zu 50 Prozent der von der neurologischen Verlaufsform betroffenen Pferde sterben und überlebende Pferde behalten oft bleibende Schäden zurück.

Es sind Impfstoffe gegen das West-Nil-Virus verfügbar, die die Verlaufsform abmildern und die Sterblichkeitsrate verringern können. Sollen nun also alle Pferde auch noch gegen West-Nil-Virus geimpft werden?

Die ständige Impfkommission hat zu dieser Frage eine Empfehlung herausgegeben, die Sie unter folgendem Link finden.

Bisher wird lediglich die Impfung für Pferde in betroffenen Gebieten empfohlen, jedoch ist die Ausbreitung des Virus innerhalb Deutschlands mit der nächsten Mückensaison zu erwarten.

Bei Fragen zum West-Nil-Virus und zur Prophylaxe kontaktieren Sie mich gern.



 

 

 

 

 

 

 



Knappe Rauhfuttervorräte - Was gibt es für Alternativen?

Der trockene Sommer hat in ganz Norddeutschland zu deutlichen Einbußen bei der Heu- und Heulageernte geführt und die Preise für Rauhfutter explodieren lassen. Für eine gesunde Pferdefütterung ist Rauhfutter in ausreichenden Mengen jedoch unverzichtbar. 

Was kann man also tun, um mit den knappen und teuren Vorräten zu haushalten und seine Pferde trotzdem gesund und gut versorgt durch den Winter zu bringen?

Die Gesellschaft für Pferdemedizin hat zu diesem Thema zusammen mit Experten für Tierernährung Empfehlungen erarbeitet, die Sie unter folgendem Link herunterladen können. http://www.gpm-geva.org/gpm-geva/public/aktuell/Heufuetterung-2018.pdf 

 

 

 

 

 

 




 

 

 

 


August 2018

Manchmal kommt es anders...

Pferdetierärztin ohne so richtig eigenes Pferd - das war schon irgendwie komisch, aber ich war im Moment nicht auf der Suche. Diese Fuchsstute hat mich trotzdem gefunden.

Schön, dass du da bist, liebe Griseldis! Lass es dir gut gehen.



Juni 2018

Turnier des RuFV Zarpen auf Hof Springbek

Vom 15. bis 17. Juni findet wieder das traditionsreiche Turnier auf Hof Springbek statt und ich freue mich sehr, dieses Jahr einen kleinen Teil zu einer gelungenen Veranstaltung beizutragen. 

An dieser Stelle noch einmal herzliche Glückwünsche an "Florenz il Mio" und seine Reiterin Nina Stiller zum Sieg im Preis der Pferdepraxis Reinfeld Dr. Katharina Ehlers, einer Reitpferdeprüfung für 3- und 4-jährige Pferde und Ponys.


Am Sonntag, den 17. Juni, bin ich als Turniertierärztin auf Hof Springbek im Einsatz und deshalb nur telefonisch erreichbar. In dringenden Notfällen ist eine Vertretungsregelung abgesprochen, rufen Sie mich einfach an.





Neue Vorträge online

Unter der Rubrik "Mehr Wissen" finden Sie ab sofort drei meiner Vorträge zu den Themen Immuntherapie, Infektionskrankheiten und Tumorerkrankungen zum Download.

 

 


Mai 2018

Endlich: Das neue Praxisauto ist da!

Nach wochenlanger Ungewissheit und schier endloser Wartezeit ist mein richtiges Praxisauto nun da. Jetzt habe ich reichlich Platz, um jederzeit alle Geräte (mobiles digitales Röntgen, Ultraschall, Zahnwerkzeug, Endoskop usw.) an Bord zu haben und somit Ihren und Euren Pferden und Ponys noch besser in allen Lebenslagen helfen zu können.

Ab sofort bin ich also an dem blauen Bus mit Praxislogo (und nicht mehr an dem exotischen Braunschweiger Kennzeichen) zu erkennen.




 

April 2018

Es ist wieder Messezeit

Seit vielen Jahren bin ich Teil des Teams um Anke Rüsbüldt, der verantwortlichen Tierärztin auf der Hansepferd in Hamburg. Es ist mir alle zwei Jahre wieder eine Freude, mich in einem eingespielten Team aus drei Tierärztinnen mit um das Wohlergehen der teilnehmenden Pferde und Ponys während der Messe zu kümmern und zu einer gelungenen Veranstaltung für Pferdefreunde beizutragen. 

Von Donnerstag, 19. April, bis Sonntag, 22. April, bin ich deshalb in Hamburg und kann nur telefonisch, aber nicht persönlich, für Sie und Ihre Pferde da sein.

Eine Notdienstregelung ist mit den Nachbarkollegen abgesprochen, rufen Sie mich einfach an. Vielen Dank für Ihr Verständnis und vielleicht bis bald auf der Hansepferd!

 



Neuer Dauerpraktikant an Bord

Ab sofort begleitet mich Fridolin, ein kleiner schwarzer Pudel mit sehr großen Pfoten, passt auf das Praxisauto auf und sorgt für jederzeit fröhliche Stimmung im Praxisalltag.

Nachdem meine Schwester vor einigen Tagen diesen wuscheligen und offenbar herrenlosen Hund davor bewahrt hat, auf einer viel befahrenen Hamburger Straßenkreuzung unter die Räder zu kommen, habe ich mich leichten Herzens entschlossen, dem Hundekind ein neues Zuhause zu geben.

Herzlich willkommen im Team, lieber Fridolin!




März 2018 

Ich freue mich sehr, dass ich gebeten wurde, für die Frühjahrsausgabe der süddeutschen Pferdefachzeitschrift "Pferde Zucht & Haltung" einen Artikel zu meinem "Herzensthema" Magengeschwüre beim Pferd, dem ich mich in den letzten Jahren für meine Doktorarbeit und im tierärztlichen Alltag ausgiebig gewidmet habe, zu verfassen. 

Den Artikel können Sie hier herunterladen. Viel Freude beim Lesen! Wenn Ihnen Fragen zur Magengesundheit Ihres Pferdes unter den Nägeln brennen sollten, sprechen Sie mich einfach an.